Die Schweiz hat eines der größten Bauwerke der Welt am Sonntag (6.09 Uhr) in Betrieb genommen. Der Gotthard-Basistunnel wurde nach mehr als sechsmonatiger Probezeit für den fahrplanmäßigen Bahnverkehr freigegeben. Vom Züricher Hauptbahnhof aus rollte der erste Passagierzug nach Lugano. Etwas mehr als zwei Stunden dauert die Fahrt.

Dank des Schweizer Tunnelwunders verkürzt sich die Reisezeit von Nord nach Süd um mehr als 30 Minuten. Täglich sollen rund 50 Personen- und bis zu 260 Güterzüge den Tunnel befahren. Die Personenzüge fahren aus Sicherheitsgründen zunächst mit maximal 200 Kilometern pro Stunde, später dann mit den üblichen 250 km/h. Die Fahrt durch den mit 57 Kilometern längsten Eisenbahntunnel der Welt dauert weniger als 20 Minuten.

Der Gotthard-Basistunnel war nach 17 Jahren Bauzeit bereits am 1. Juni feierlich eröffnet worden. Hochrangige Gäste reisten damals zu den Feierlichkeiten - etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ehe der Tunnel für den allgemeinen Bahnverkehr freigegeben werden konnte, standen aber noch etliche Probedurchläufe an. Insgesamt 5000 Testfahrten wurden absolviert.

Etwa elf Milliarden Euro hat das Jahrhundertbauwerk mit seinen zwei Röhren gekostet. Neun Menschen kamen bei den Bauarbeiten ums Leben. Der Gotthard-Basistunnel ist das Herzstück der "Neuen Eisenbahn-Alpentransversale" (NEAT). Er macht den Bahnverkehr durch die Alpen so schnell wie noch nie. Der Tunnel wurde weitgehend im Rahmen der finanziellen und zeitlichen Vorgaben gebaut.

Zum Thema:
Streckenführung: Zwischen Erstfeld (Kanton Uri) und Bodio (Kanton Tessin). Geschwindigkeiten: Personenzüge in der Regel 200 Stundenkilometer, Güterzüge 100. Möglich sind Höchstgeschwindigkeiten bis 250 km/h, für Güterzüge zu 160 km/h.Wirtschaftlichkeit: Statt 180 Güterzüge pro Tag können 260 Güterzüge verkehren. Hinzu kommen 65 Personenzüge.Steinmassen: Für die beiden einspurigen Hauptröhren sowie die Sicherheits-, Belüftungs- und Querstollen wurden 152 Kilometer Strecke aus dem Gestein gebrochen - insgesamt 28,2 Millionen Tonnen.