(43) einen schweren Alkoholrausch hatte, so wie dieser es selbst dargestellt hatte, sagte Mediziner Hans-Ludwig Kröber gestern vor dem Landgericht Leipzig. In einem solchen Zustand sei eine Vergewaltigung nicht möglich. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt gestanden, den Jungen im Februar sexuell missbraucht und erwürgt zu haben. Heute werden die Plädoyers gehalten. Das Urteil wird am Dienstag erwartet.
Der Gutachter Kröber lehnte eine Prognose zur Gefährlichkeit des mehrfach vorbestraften Kinderschänders ab. Er überließ die Wertung dem Gericht, das auch über eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an die zu erwartende Haftstrafe entscheiden muss. Durch die pädophilen Neigungen des 43-Jährigen bestehe zwar ein gewisses Risiko für weitere Straftaten, sagte der Mediziner. Andererseits habe Uwe K. nach seiner letzten Verurteilung im Jahr 1998 lange Jahre straffrei gelebt. Zudem zeige die Biografie des Angeklagten, dass er sich immer um soziale Integration bemüht habe.
In der Strafzumessung dürfte der Einfluss von Alkohol eine wichtige Rolle spielen. Der Psychiater zweifelte die von Uwe K. im Geständnis genannten Alkoholmengen an, die etwa fünf Promille entsprechen würden. Selbst langjährige Alkoholiker seien in einem solchen Zustand nicht mehr zu Geschlechtsverkehr in der Lage. "Bei beiden Taten - der Vergewaltigung und dem Mord - gehe ich deshalb nicht von einer Aufhebung der Steuerungsfähigkeit durch einen Alkoholrausch aus." Kröber kam zu dem Schluss: "Man kann unterstellen, dass er wusste, wohin er sich trinkt." Die Ermordung Mitjas wertete der Sachverständige als Verdeckungstat.
Dem rechtsmedizinischen Gutachten zufolge hat Mitja vor seinem Tod Qualen erlitten. "Der Junge hatte Panik und Todesangst", sagte der Rechtsmediziner Vladimir Wenzel. Spuren belegten, dass Mitja verzweifelt versucht habe, sich aus den Armen seines Mörders zu befreien. Ihm seien jedoch Mund und Nase zugehalten worden. Schließlich sei der Neunjährige von hinten erwürgt worden. (dpa/cd)