„Mindestens vier bis sechs Prozent
des Einkommens sollten für die Altersvorsorge investiert werden.“
 Sabine Klauke-Fritschka
von der Verbraucherzentrale


„Jede Geldanlage ist im Grunde auch eine Altersvorsorge“ , sagt Sabine Klauke-Fritschka von der Verbraucherzentrale in Cottbus mit glühenden Wangen. Die Finanzexpertin ist in ihrem Element, wenn sie von Riester- und herkömmlichen Rentenversicherungen, über Banksparpläne und Bundesschatzbriefe spricht. Seit mehr als vier Jahren berät sie Lausitzer bei ihren Vorsorgestrategien. Heute sitzt ihr Birgit Mitschke gegenüber und will wissen, was ihre Familie tun kann.
Bisher ist für die Ogrosener das zehn Jahre alte Haus mit einem Wert von 160 000 Euro die Altersvorsorge Nummer eins. In fünf Jahren soll das Hypothekendarlehen vollständig an die Euro-Hypo-Bank zurückgezahlt sein. In diesen ehrgeizigen Plan investiert die Familie Monat für Monat 650 Euro. Daneben gibt es eine Riester-Rentenversicherung und eine private Rentenversicherung für Birgit Mitschke. „Jeweils 50 Euro pro Monat zahlen wir in Sparverträge für unsere beiden Söhne ein, die mit 1,75 Prozent verzinst werden“ , berichtet die 35-Jährige weiter.
Sabine Klauke-Fritschka quittiert die Bestandsaufnahme mit einem kurzen Kopfnicken. Auch aus ihrer Sicht ist die Tilgung des Kredites die derzeit „wichtigste Aufgabe“ . Der Zinssatz von fünf Prozent sei vergleichsweise günstig. Eine Geldanlage, bei der ohne Risiko eine höhere Rendite erwirtschaftet werden könne, gebe es nicht. Für die Familie bedeutet das, zunächst schuldenfrei zu werden und danach über eine Altersvorsorge nachzudenken. „Mindestens vier bis sechs Prozent des Bruttoeinkommens sollten in die private Vorsorge investiert werden“ , nennt die Verbraucherschützerin als Faustformel.
Nachholbedarf sieht die Finanzexpertin schon heute bei der Riesterrente, die sie „immer für die erste Wahl“ hält. Der Familienvater Andreas Kaltenbrunner sollte sich ihrer Meinung nach die staatliche Zulage sichern und so „die Lücke in der gesetzlichen Vorsorge schließen“ . Um die Förderung in Höhe von 114 Euro zu bekommen, muss der auf Montage tätige Schlosser 636 Euro in diesem Jahr investieren. Ab 2008 steigt der staatliche Zuschuss auf 154 Euro, der Eigenanteil erhöht sich auf 846 Euro pro Jahr. Am Ende kann sich der heute 36-Jährige nach den Berechnungen der Verbraucherschützerin bei einer angenommenen Rendite von 4,5 Prozent auf den Gesamtbetrag über eine zusätzliche Rente von 220 Euro pro Monat freuen.
„Ihrem Mann empfehle ich einen Fondssparplan“ , schlägt die Finanzexpertin vor. Diese Riester-Variante bringe die höchsten Renditen. Von den am Markt befindlichen Angeboten ist „Finanztest“ zufolge die Uniprofirente von Union Investment mit mehr als neun Prozent pro Jahr am überzeugendsten. „Bei einem Börsencrash kann das schnell anders aussehen“ , warnt Klauke-Fritschka. Gesichert sei aber - im Gegensatz zu herkömmlichen Fonds - das eingezahlte Geld samt staatlicher Zulage bei Eintritt in die Rentenphase.
„Eigentlich hatte ich eher an Banksparpläne gedacht“ , sagt Birgit Mitschke. „Da geht der Sparer keinerlei Risiko ein und kann jederzeit problemlos aus dem Vertrag wieder aussteigen“ , schwenkt Klauke-Fritschka mühelos um. Die aktuelle Verzinsung liege zwischen 2,6 und 3,75 Prozent pro Jahr. „In den neuen Bundesländern gibt es aber keine Sparkasse oder Volks- und Raiffeisenbank, die Banksparpläne anbietet“ , bedauert die Verbraucherschützerin. Interessenten müssten sich telefonisch mit Anbietern wie der Stadtsparkasse Hameln, Gevelsberg oder der Mainzer Volksbank - alle drei sind „Finanztest“ -Favoriten - in Verbindung setzen.
Birgit Mitschke selbst zahlt bereits 35 Euro monatlich in eine Riester-Rentenversicherung ein und könnte nach den Hochrechnungen der Expertin auf eine monatliche Zusatzrente von 245 Euro kommen. „Das hängt davon ab, wie viel Rendite der Versicherer erwirtschaftet“ , sagt die Verbraucherschützerin. Garantiert seien nur 2,75 Prozent. Bei Verträgen, die nach 2006 abgeschlossen wurden, gibt es sogar nur noch 2,25 Prozent.
Den Vertrag, den die Krankenschwester ihr vorlegt, findet Sabine Klauke-Fritschka allerdings nicht optimal. Der Grund dafür seien die hohen Abschlussgebühren, die vor allem in den ersten Jahren die Rendite schmälern und bei einem Anbieterwechsel viel Geld kosten können. Nur wer solch einen Vertrag bis zum Ende durchhält, habe etwas davon. „Deshalb sollten auch Sie bei Ihrem Versicherer bleiben“ , sagt Klauke-Fritschka. „Obwohl es natürlich bessere Angebote gibt“ , schiebt die Expertin hinterher.
Kostengünstig seien vor allem Direktversicherer wie Asstel oder Cosmosdirect. Aber auch die Debeka Versicherung und die Huk-Coburg sind auf Spitzenplätzen in „Finanztest“ -Vergleichen zu finden. Der Versicherer von Birgit Mitschke ist dagegen nur Mittelmaß. Der Vertrag lohnt sich für die Ogrosenerin aber schon aufgrund der staatlichen Zulage: Für sich, ihre zwei und ab Juli drei Kinder erhält Birgit Mitschke 528 Euro. Das ist fast doppelt so viel wie der erforderliche Jahreseigenbeitrag von 282 Euro.
„Die Altersvorsorge für Ihre Familie kostet erst einmal Geld“ , fasst Klauke-Fritschka zusammen. Dennoch lohnt sich die Investition mit der richtigen Strategie: Allein die staatliche Riester-Prämie für Andreas Kaltenbrunner bringt im ersten Jahr 114 Euro zusätzlich. Der im Juli erwartete Sohn Nummer drei sorgt für ein weiteres Plus von 138 Euro. Birgit Mitschke dürfe nur nicht vergessen, den Vertrag entsprechend ändern zu lassen. „Das gilt grundsätzlich auch für Einkommensveränderungen“ , sagt die Expertin. Anderenfalls werde entweder zu viel gezahlt oder die Zulage riskiert.
Bis zu 15 Euro mehr pro Jahr könnte die Familie auch aus den Sparplänen für Jonas-Julius und Justus herausholen. Momentan zahlen die Eltern je 50 Euro pro Monat ein - bei einer Verzinsung von 1,75 Prozent. „Bundesschatzbriefe bringen schon im ersten Jahr 2,75 Prozent. Das Extrakonto der Ing-Diba sogar drei Prozent bei täglicher Verfügbarkeit“ , sagt die Verbraucherschützerin. „Bei der Ing-Diba habe ich auch mein Girokonto“ , stellt Birgit Mitschke erfreut fest. „Der Zinssatz ist aber variabel und kann steigen oder fallen“ , erklärt Klauke-Fritschka weiter. Bei beispielsweise drei Prozent bringe das in zehn Jahren ein Gesamtguthaben von 6990 Euro für jeden Sohn, bei eingezahlten 6000 Euro.
Weiteres Sparpotenzial gibt es bei der privaten Rentenversicherung, in die Birgit Mitschke seit fünf Jahren monatlich 29 Euro investiert. „Der Dynamisierung, die jedes Mal neue Kosten verursacht, würde ich auf jeden Fall widersprechen“ , sagt Klauke-Fritschka. Renditeschädlich sei zudem der Todesfallschutz bei Unfall, der den Hinterbliebenen eine Einmalzahlung von 9700 Euro gewährt. „Im Fall des Falles ist das vollkommen unzureichend.“ Wie sich diese Änderungen auf die Beiträge auswirken, sei jedoch nicht vorhersagbar.
Das Fazit der Cottbuser Verbraucherschützerin: „Schon mit einem vergleichsweise geringen Aufwand kann jeder etwas für seine Altersvorsorge tun.“ Für Familie Mitschke & Kaltenbrunner bringt das zusätzliche Engagement unterm Strich ein Plus von 267 Euro in diesem Jahr. Gemeinsam mit den 181 Euro, die bei den Versicherungen eingespart wurden, sind das insgesamt schon 448 Euro.

In der nächsten Folge
am 7. April lesen Sie:

Beim Baudarlehen sparen -
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