ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:49 Uhr

Mit spitzer Feder am Puls der Zeit

Während der Ausstellungseröffnung kamen Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (links) und weitere Besucher mit Reiner Schwalme (2.v.r.) ins Gespräch. Foto: Birgit Keilbach/bkh1
Während der Ausstellungseröffnung kamen Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (links) und weitere Besucher mit Reiner Schwalme (2.v.r.) ins Gespräch. Foto: Birgit Keilbach/bkh1 FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Schönwalde. Gezeichnete Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen können die Besucher in der Verwaltung des Amtes Unterspreewald jetzt betrachten. Dort zeigt der renommierte Karikaturist und Illustrator Reiner Schwalme seit dieser Woche eine Auswahl seiner Arbeiten. Von Birgit Keilbach

Quer durch die Vielfalt des politischen Spektrums nimmt er Missstände aufs Korn und gibt der Unzufriedenheit der Betroffenen Ausdruck. Er karikiert ebenso unsensible oder gewohnheitsmäßige Verhaltensweisen. So schaut der deutsche Michel beispielsweise entsetzt in die tiefe Grube, zu dem er das U im Euro werden lässt. Daneben schwenkt auf der Ein-Dollar-Note anstelle des Porträts von George Washington eine Hand die weiße Fahne.

Aus dem Blickwinkel derjenigen, die die Kosten der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu tragen haben, betrachtet er die Situation in einer weiteren Karikatur: „Was meinst Du, für die Rettung welcher Bank haben wir heute gearbeitet?“ lässt er einen Arbeiter den anderen während der Pause fragen. Auch die missglückte Einführung des Biosprits E 10, Sozialabbau, Bildungs- und Gesundheitswesen sind Themen seiner satirischen und teilweise sarkastischen Kommentierung mit dem Zeichenstift.

Reiner Schwalme, der sich selbst als Journalist sieht, der mit zeichnerischen Mitteln seine Meinung zum Geschehen in der Welt und der Gesellschaft bekundet, setzt seine Pointen stets treffsicher und wirkungsvoll. So bleibt dem Betrachter nicht selten das Lachen im Halse stecken, wie bei der Antwort des Arztes auf die Frage eines im Krankenbett Liegenden: „Das kann ich Ihnen erst nach der Obduktion sagen.“

Zum Nachdenken anregen wolle er mit seinen Karikaturen, indem er Dinge aus einem anderen Blickwinkel beleuchte, sagt der in Groß Wasserburg ansässige Künstler. Es ist der Blickwinkel der Betroffenen, der kleinen Leute, die sich den Entscheidungen „von oben“ ausgeliefert sehen, aber auch selbst zu manchem Missstand beitragen. Das wird beispielsweise in einer Karikatur ersichtlich, wo der Fernseher die familiäre Bildung und Bindung ersetzt.

„Satire ist die Kunst, einem anderen auf den Fuß zu treten, dass er es merkt, aber nicht aufschreit“, zitierte Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine den Schauspieler Helmut Qualtinger während der Ausstellungseröffnung. Dies verdeutlichten die gezeigten Karikaturen im besten Sinne, so Kleine.

Bereits zum dritten Mal stelle Reiner Schwalme in der Verwaltung der Amtsgemeinde seines Wohnortes aus. Der 1937 in Liegnitz Geborene begann seine künstlerische Laufbahn nach dem Studium der Grafik und bildenden Kunst als „Hauszeichner“ bei der DDR-Gewerkschaftszeitung „Tribüne“. Illustrationen für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften sowie Buchverlage fertigte der seit 1966 freischaffende Künstler an. Den Weg zur Karikatur fand er mit Beginn seiner Arbeit für den „Eulenspiegel“ im Jahr 1985. In der Wendezeit und danach wurde er durch seine politischen Karikaturen deutschlandweit bekannt und errang zahlreiche Preise „Täglich eine Karikatur“, zeichne er noch immer, hauptsächlich für die „Sächsische Zeitung“, aber auch für den „Tagesspiegel“, andere gesamtdeutsche Zeitungen „und natürlich für den Eulenspiegel“, so Reiner Schwalme.