Antje Möldner-Schmidt hat einen ganz speziellen Laufstil auf der Strecke 3000 Meter Hindernis: Während viele ihre Konkurrentinnen direkt vor dem Hindernis anfangen zu trippeln, und dabei abbremsen, beschleunigt die 27-Jährige. „Ich gehe mit Schwung rüber, mir ist dabei auch egal, mit welchem Bein ich abspringe“, erklärt sie. Antje Möldner-Schmidt nimmt es halt so, wie es kommt. Auf der Laufbahn wie im Leben für sie eine ganz praktikable Taktik.

Ein großes Hindernis hat die neue Cottbuser Olympiahoffnung damit nämlich schon erfolgreich bezwungen. Vermutlich sogar das größte, wie sie selbst zugibt. Anfang Januar 2010 wurde bei ihr ein Knoten in der rechten Schulter festgestellt – ein Tumor an den Lymphzellen. Sie wurde operiert und musste fast ein Jahr komplett aussetzen. Für viele Leistungssportler hätte dies wohl das Karriereaus bedeutet. Nicht so für die gebürtige Potsdamerin, die am Mittwoch bei ihrer offiziellen Vorstellung in Cottbus mutig erklärte: „Die Olympischen Spiele in London sind mein großes Ziel. Und ja, ich glaube fest daran, dass ich das packe.“

Der LC Cottbus bei den Olympischen Spielen, für den Verein ein großer Traum. Schließlich war zuletzt mit Stephan Freigang 1996 in Atlanta ein LCC-Athlet am Start. Vize-Präsident Ulrich Hobeck, selbst ehemals erfolgreicher Hindernisläufer, hofft: „Antje könnte für unsere Nachwuchssportler die neue Identifikationsfigur werden, ein Vorbild. Das brauchen wir für die Motivation der jungen Leute.“

Wenn es um Motivation geht, dann scheint Antje Möldner-Schmidt tatsächlich ein gutes Vorbild zu sein. Sie spult ihre Trainingskilometer am Branitzer Park und in den Madlower Schluchten ab. Sie kennt die Strecken inzwischen ganz genau. Seit anderthalb Jahren wohnt sie schon in Cottbus, der Liebe wegen. Bei der Bundespolizei, ihrem Arbeitsgeber, hat sie während ihrer Ausbildung in Cottbus ihren jetzigen Mann Lars Schmidt kennengelernt.

Deswegen hat sie sich am Ende auch für den Wechsel nach Cottbus entschieden. Wohl aber auch, weil der LCC ihr „das beste Angebot“ gemacht habe. Sponsoringpartner für die Verpflichtung der deutschen Rekordhalterin (9:18,54 min bei der WM 2009 in Berlin) ist das Sana Herzzentrum Cottbus. Oberarzt Axel Harnath erklärte, dass die Sportlerin dabei nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch medizinisch beraten werde. Das klingt gut, hat aber mit ihrer schweren Erkrankung nichts zu tun. Die sei überwunden, erklärt die Sportlerin, auch wenn sie zugibt: „Man sagt mir nach, ich hätte mich verändert. Die Leute sagen, ich bin reifer geworden.“ Reifer geworden, das bedeutet bei der fröhlichen Athletin wohl vor allem selbstbewusster.

Sie gesteht es sich zu, genauer auf ihren Körper zu hören. An Tagen, an denen es nicht so laufe, kürze sie die Einheiten auch mal ab. Und wenn es richtig gut vorangeht, dann legt sie noch ein paar Kilometer drauf. Ihre Trainerin Beate Conrad, auch Bundestrainerin in dieser Disziplin, ist dabei großer Rückhalt. Täglich telefoniert sie mit ihrer Athletin, wenn die in den Entlastungswochen (70 bis 80 Kilometer) in Cottbus trainiert. Die Belastungswochen (130 Kilometer) absolviert Möldner-Schmidt weiterhin in Potsdam.

Dass sie sich in der Landeshauptstadt mit ihrem Wechsel nicht unbedingt Freunde gemacht hat, weiß die Olympiahoffnung. Peter Rieger, Geschäftsführer vom SC Potsdam, hatte erklärt: „Wir sind schwer enttäuscht, weil wir sie in ihrer schwierigen Zeit unterstützt und weiter gefördert haben.“ Hinter vorgehaltener Hand gibt es noch deutlichere Kritik an dem Wechsel in ihre neue Heimat. Doch über diese Misstöne aus ihrem Ex-Verein lächelt Antje Möldner-Schmidt locker hinweg. Davon will sie sich in der Olympia-Vorbereitung nicht stoppen lassen. Schließlich hat sie schon ganz andere Hindernisse überwunden.

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Zur Person Die Sportlerin: Antje Möldner-Schmidt stammt aus einer Leichtathletik-Familie. Der Vater war Geher, Schwester Silke und Zwillingsschwester Berit Mittelstrecklerinnen. Bruder Olaf wurde Dritter bei der DDR-Meisterschaft im Gehen. Die Erfolge: Bei der Olympischen Spielen 2008 in Peking fehlte ihr weniger als eine Sekunde für das Finale. 2009 wurde sie WM-Neunte. Zudem war sie zweimal Deutsche Meisterin. Die Pläne: Im Februar geht es ins Höhentrainingslager, im Juni steht die EM in Helsinki an. Und dann zählen nur noch die Olympischen Spiele in London.