Um dem hohen Anspruch an ihr Handwerk gerecht zu werden, müsse sie ihre Kunden manchmal aus der Reserve locken. "Die Leute sollen vergessen, dass sie vor der Kamera sitzen", sagt die Fotografenmeisterin, die neben ihrem Handwerk auf Psychologie setzt. Zum Fotografieren gehöre "ganz viel Menschenkenntnis". Wenn einer seit so vielen Jahren hinter der Kamera stehe wie sie, könne er Menschen sehr gut einschätzen.Ihr Handwerk hat die Fotografentochter aus Blankenburg nach eigenen Worten von der Pieke auf vom Vater gelernt. 1980 kam sie mit ihrem Mann, einem Geologen, und den Kindern nach Cottbus. "Wir sind wegen der besseren Ausbildungsmöglichkeiten für unsere Kinder in die größere Stadt gezogen", sagt sie. 1982 eröffnete Elisabeth Winzer ihr eigenes Fotostudio, und seit 1987 ist Foto-Winzer in der Friedrich-Ebert-Straße 19 ein Geheimtipp für Porträtfotos geworden. Gemeinsam mit einer Angestellten und einem Auszubildenden setzt die Fotografenmeisterin hier in zwei separaten Studios Motive in das richtige Licht und in Szene. Gerade beim Licht verstoße sie, wenn es die Bildaussage unterstützt, auch mal gegen jegliche Richtlinie. Elisabeth Winzer: "Grundsatz dabei ist: Es muss interessant sein und Emotionen rüberbringen." Als Fotografin lasse sie sich immer wieder auf Menschen ein. Zu den Porträtierten entstehe häufig eine intensive Beziehung. "Manche Leute erzählen ihre Lebensgeschichte und staunen am Ende selbst über das Produkt." Andere wiederum seien vom Wesen her kompliziert. Sie aufzuschließen, sei Schwerstarbeit und koste viel Kraft. Aber bei der Beschäftigung mit Literatur und Psychologie könne sie wieder auftanken, sagt Elisabeth Winzer.Fotografie, so die Meisterin, werde heutzutage mehr und mehr zum Erlebnis. Beispielsweise entstünden immer mehr Porträtaufnahmen in der Natur. Als Beispiel nennt Elisabeth Winzer die Aufnahmen, die sie im vergangenen Winter bei tiefstem Schnee von einem Ehepaar im Branitzer Park gemacht hat: bei einer Schlittenfahrt, einer Schneeballschlacht und beim Tee vor romantischer Landschaft.Besondere Anforderungen an Handwerk und Kreativität stellen die Fotobücher, die die Fotografenmeisterin im Auftrag ihrer Kunden beispielsweise von Hochzeiten anfertigt. Aber auch als Weihnachtsgeschenk würden Fotobücher immer beliebter. Mit besonderer Sensibilität setzt Elisabeth Winzer dafür reifere Frauen in Szene. In einem separaten Studio erreicht sie, dass die Porträtierten lockerer werden. Dabei legt sie Wert auf die Feststellung: "Frauen fotografieren einfühlsamer, während Männer bei Aktaufnahmen immer die Erotik im Kopf haben."Andrea Korn arbeitet seit neun Jahren im Fotostudio Winzer. Als sie sich für diese Stelle beworben habe, sei es ihr um mehr gegangen als um einen Job. "Ich habe geguckt, wo kannst du am meisten dazulernen, und ich lerne noch heute jeden Tag dazu", sagt die 34-Jährige, die noch heute zufrieden mit ihrer Entscheidung ist. Vor allem habe sie gelernt, was ein Foto zum Klassiker macht. "Ein Bild muss zeitlos sein, damit es für immer schön ist", sagt sie. Einem guten Foto dürfe nicht anzusehen sein, ob es im Jahr 1980 oder im Jahr 2010 aufgenommen worden ist. Zwölf Lehrlinge hat Elisabeth Winzer nach eigenen Worten in den vergangenen 25 Jahren ausgebildet. "Einige von ihnen haben sich selbstständig gemacht, einige sind angestellt, und andere machen heute ganz was anderes", sagt sie. Besonders stolz ist die 63-Jährige darauf, dass der bekannte Hallenser Fotoreporter Andreas Stedtler bei ihr gelernt hat.