Mal geht es früh morgens los, mal am Nachmittag. "Da muss man flexibel sein", sagt der 61-Jährige.

An diesem Tag beginnt seine Arbeit am frühen Vormittag. Die Sonne scheint, für die Jahreszeit ist es recht warm. Es ist einer der letzten Tage, an denen Stobbe noch per Kutsche über das Wattenmeer nach Neuwerk fährt - zusammen mit zahlreichen Touristen im Konvoi. Ab Samstag steuert die MS Flipper wieder die Insel an, dann nimmt Stobbe den bequemen Ausflugsdampfer.

In der kalten Jahreszeit pendeln nur Wattwagen und Trecker zwischen dem Festland und der rund zehn Kilometer entfernten Insel. "Das Erlebnis mit der Kutsche ist natürlich schöner", sagt der 61-Jährige. Gerade im Winter, wenn er bei aufgehender Sonne mit Kutscher Jan Brütt allein ohne Touristen im Watt unterwegs ist: "Das sind einzigartige Momente", schwärmt er.

Schon seit mehr als 20 Jahren gibt es auf Neuwerk keine eigene Poststelle mehr, seitdem pendelt ein Zusteller im Winter bis zu drei Mal und im Sommer bis zu sechs Mal die Woche zwischen Insel und Festland. An diesem Tag hat Stobbe eine Kiste mit Briefen sowie elf Pakete dabei. Vor knapp einem Jahr hat er die Zustellung von seinem Vorgänger übernommen. Die Insulaner kennt er schon gut. "In der Vor- und Nachsaison haben sie Zeit zum Schnacken", erzählt Stobbe. Derzeit wohnen auf Neuwerk 33 Menschen, rechnet er nach. "Im Sommer sind es doppelt so viele." Im Ton seien sie rau, aber herzlich. Mit fast allen ist er per Du. "Nur mit der Lehrerin nicht, sie ist noch neu hier."

Auf Neuwerk mit der Kutsche angekommen, muss er sich beeilen. Gerade mal 50 Minuten hat er Zeit für seine Runde mit einem gelben, dreirädrigen Elektromofa mit Anhänger. Schließlich müssen die Wattwagen rechtzeitig aufbrechen, bevor die Flut das nicht mehr zulässt. Das Schiff bietet in der Regel eine längere Aufenthaltszeit. Eines der ersten von Stobbe angesteuerten Häuser ist das von Christel Backhaus. Für sie hat er eine Tageszeitung und Lotterie-Lose besorgt. "Freundschaftsdienste" nennt Stobbe seine Gefälligkeiten. Im einzigen Laden auf Neuwerk gibt es viele Dinge nicht zu kaufen. Wer etwas Dringendes braucht, darf deshalb Stobbe anrufen. Er besorgt es dann schnell und zuverlässig.

Am Ende seiner Tour wartet Kutscher Jan Brütt mit dem Wattwagen. Seine Kollegen sind schon losgefahren. Wenn Stobbe nach eineinhalb Stunden Fahrt wieder in Cuxhaven ist, muss er noch zum Postamt, um die Sendungen der Insulaner zu bearbeiten. Dann ist Feierabend - es sei denn, sein Handy klingelt und ein Insulaner bittet um eine Besorgung.