Juristisch erklärt Ronald Schmid, Anwalt für Reiserecht in Wiesbaden, den Sachverhalt so: „Bietet ein Reiseveranstalter eine Zugfahrt an, muss er sich einen Fehler der Bahn selbst zurechnen lassen. Schließlich handelt es sich bei der Zugfahrt bereits um einen Teil der Reise.“ Verpasse ein Rail & Fly-Reisender wegen eines verspäteten Zuges einen Flug, könne er also vom Reiseveranstalter angemessenen Ersatz verlangen, sich etwa auf eine spätere Maschine umbuchen lassen. „Kommt der Reiseveranstalter einer entsprechenden Aufforderung nicht nach, kann man sich auch selbst um einen Flug kümmern.“

Ersatz nur in gleicher Kategorie

Grundsätzlich können die Kosten dafür dem Veranstalter aufgebürdet werden. „Allerdings gibt es eine Schadensminderungspflicht. Der Reisende kann also beispielsweise nicht einfach Business Class buchen, wenn er ursprünglich für die Economy Class gezahlt hat.“

Lässt sich kein passender Ersatzflug finden, kann ein Urlauber auch erwägen, vom Vertrag zurückzutreten und sich den Reisepreis zurückzahlen zu lassen. Ob und in welcher Höhe Stornogebühren anfallen, hängt Reiserechts-Experte Schmid zufolge vom Einzelfall ab: Handele es sich bei der gebuchten Reise etwa um einen dreiwöchigen Urlaub, müsse man es unter Umständen akzeptieren, erst am kommenden Tag fliegen zu können – entsprechend hoch seien bei einem Reiserücktritt die Gebühren. „Anders sieht das zum Beispiel aus, wenn es sich um einen dreitägigen Trip nach London handelt. Die Reise wäre dadurch ja fast schon um die Hälfte verkürzt.“

Um Nachweis kümmern

Merkt ein Reisender schon während der Zugfahrt, dass die Zeit knapp wird, sollte er sich umgehend darum kümmern, die Verspätung zu dokumentieren – das sei wichtig, um später Ansprüche geltend zu machen, erläutert Ronald Schmid. „Am besten lässt man sich die Verspätung vom Schaffner bescheinigen. Geht das nicht, kann man auch Namen und Adresse eines anderen Zugfahrgastes notieren, der später die Umstände bezeugt.“

Keinen Anspruch auf Entschädigung hat ein Urlauber, wenn die Verspätung zumindest zum Teil auch auf sein eigenes Verschulden zurückgeht. Das gilt speziell für Züge, die unter normalen Umständen erst kurz vor dem Check-in am Flughafen ankommen. Es sei immer mit Verspätungen zu rechnen. In der Regel sollte der Reisende zwei Stunden vor Abflug am Airport sein und außerdem eine halbe Stunde Puffer einkalkulieren. Habe er die Reise großzügig geplant und verpasse den Flug trotzdem, stünden die Chancen gut. „Anders sieht es aus, wenn der Veranstalter einen bestimmten Zug vorgibt. Den muss man erreichen. Darüber hinaus ist alles in Verantwortung des Veranstalters“, sagt Ronald Schmid.