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| 01:27 Uhr

Mit dem Fiskus auf Jobsuche

Inserate in Tageszeitungen, Bahntickets für Vorstellungsreisen, Passbilder, Kopien und Gebühren für amtliche Zeugnisse – die Jobsuche kostet nicht nur Zeit. Sie belastet vor allem den ohnehin schmalen Geldbeutel. Mit jeder Bewerbung dreht sich die Kostenspirale weiter – Betroffene sollten deshalb konsequent Erstattungsansprüche einfordern. Beteiligt sich die Agentur für Arbeit oder ein potenzieller neuer Arbeitgeber nicht an den Bewerbungskosten, bleibt als dritte Möglichkeit immer noch das Finanzamt. Von Michael Degethof

Denn nicht nur fest angestellte Arbeitnehmer, die der Karriere wegen den Chef wechseln, können die Kosten für einen Jobwechsel steuerlich geltend machen. Werbungskosten erkennen die Finanzbeamten auch bei Leuten an, die im ganzen Jahr keinen Cent auf der Steuerkarte verdient haben. Auch wer sich als Selbstständiger um eine Festanstellung bemüht, als Hausfrau wieder ins Berufsleben einsteigen will oder als Schulabgänger einen Ausbildungsplatz sucht, kann sich beim Fiskus Steuervorteile sichern.

Verlustvortrag wird festgestellt
Mit der jährlichen Steuererklärung werden alle Kosten geltend gemacht. Ist in dem Jahr kein steuerpflichtiges Einkommen angefallen, stellen die Beamten einen Verlustvor- oder -rücktrag in andere Steuerjahre fest und erstatten zu viel bezahlte Steuern zurück.
Wer seine Kosten belegen kann, fährt am besten. Stellenanzeigen sollten mit Quittungen dokumentiert werden, Telefonate mit einem Einzelverbindungsnachweis - nicht vergessen, den Gesprächspartner und den Grund des Telefonats aufzuschreiben. Kosten für Bewerbungsfotos, Beglaubigungen, Büromaterial, Fachbücher, Fotokopien, Porto, Stadtpläne, Urkunden, Übernachtungskosten und Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollten ebenfalls nachweisbar sein. Bei Fahrten mit dem eigenen Auto kann eine Pauschale von 30 Cent je Kilometer angesetzt werden. Für Verpflegungskosten können je nach Abwesenheit Pauschalen zwischen sechs und 24 Euro täglich abgerechnet werden.

Schätzung der Kosten zulässig
Nach einem Urteil des Finanzgerichtes Köln (Az.: 7 K 932/03) müssen Bewerbungskosten auch dann von der Steuer absetzbar sein, wenn der Jobsuchende nicht alle Belege aufgehoben hat. Eine Schätzung der Kosten sei bei der aktuellen Jobmisere zulässig. Der streitbare Kläger hatte sich 348-mal beworben und in der Steuererklärung dafür ohne Belege knapp 3000 Euro geltend gemacht. Das Finanzamt wollte jedoch nur 250 Euro anerkennen. Die Finanzrichter wählten die salomonische Mitte und gewährten einen Kostenabzug in Höhe von 1350 Euro. Aufwendige Bewerbungsmappen veranschlagten die Juristen danach mit 8,70 Euro, einfache Bewerbungen etwa über das Internet immerhin noch mit jeweils 2,60 Euro.
Da das Finanzamt immer nur anteilige Kosten übernimmt, ist eine direkte Kostenerstattung durch Arbeitsamt oder Unternehmen die lohnendere Alternative. Bares Geld für Jobsuchende ist hier ein Urteil des Arbeitsgerichtes Frankfurt am Main wert. Die Richter entschieden, dass ein Bewerber einen Anspruch auf Reisekostenerstattung geltend machen kann, wenn das Unternehmen die Übernahme der Kosten für ein Bewerbungsgespräch nicht klipp und klar vorher ablehnt (Az.: 7 CA 6251/02). Ein Bewerber aus Bayern hatte einen Vorstellungstermin in Frankfurt/Main. Nach erfolgloser Bewerbung wollte der Mann wenigstens seine Benzinkosten erstattet haben. Da sich das besuchte Unternehmen weigerte, zog er vor den Kadi und gewann.