Damit bot das dritte Konzert des Kammermusikfestivals 2012 eine doppelte Premiere: Es war nur einem Komponisten vorbehalten und als Gesprächskonzert konzipiert.

Hoch talentiert

Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh hatten sich als Organisatoren und Musiker des Festivals mit dem Bariton Georg Finger und Hiroto Saigusa am Klavier zwei hoch talentierte junge Musiker an ihre Seite geholt. In wechselndem Zusammenspiel führten sie mit Liedern, der Petite Suite mit Etudes -Livre I pour piano und einer Sonate für Violoncello und Piano durch die Klangvielfalt des französischen Impressionisten. Sie machten an Etappen seines Schaffens hör- und erlebbar für die Zuhörer, dass Debussy zu Recht als Wegbereiter der Moderne in der europäischen Musik gilt. Dabei unterstützte Musikwissenschaftler und Moderator Marek Kalina von Kulturradio rbb, indem er kenntnisreich durchs Programm führte und den Musikern in kurzen Gesprächen Deutungen zu Kompositionen sowie zur Interpretation und Spielweise der besonderen Tonsprache des eigenwilligen französischen Komponisten entlockte.

Den Besuchern gefiel der Wechsel zwischen Musik und lockerer Moderation, auch wenn Marek Kalina in seiner temperamentvollen Begeisterung für den Komponisten, ,,der in Deutschland nicht genügend beachtet wird", mitunter Deutlichkeit in der Aussprache verloren ging. Der Dresdner Bariton Georg Finger, der sich an der Musikhochschule seiner Heimatstadt im Masterstudium befindet, brachte ,,die leidende Seele" mit Liebesbotschaften des jungen Komponisten zu Gehör. ,,Debussy ist für junge Sänger reizvoll, weil er alte Strukturen sprengt." Ähnlich fühlten sich die instrumentalen Solisten von Debussy-Werken herausgefordert. Johanna Zmeck und der in Tokio geborene Hiroto Saigusa bewältigten vierhändig mit einfühlsamer wie humorvoll-temperamentvoller Interpretation die farbenreich Petite Suite.

Nach der Pause kam der späte Debussy zu seinem Recht. Der gefragte Kammermusiker Saigusa entlockte dem scheinbar ,,sittsamen Stück" Etudes -Livre I die ,,chaotischen Überraschungen" mit Schalk zwischen den Noten. Ähnlich begeistert von den anspruchsvollen freien Interpretationsmöglichkeiten zeigte sich Cellist Nassib Ahmadieh, der mit Johanna Zmeck aufwändige Probenarbeit in die Sonate von 1915 gesteckt hatte und der sowohl die düstere Stimmung der späten Musik des Franzosen ausspielte wie expressive Elemente im Werk des Impressionisten Debussy aufblitzen ließ.

Prächtig gelungen

Zu Recht durften Johanna Zmeck und Nassib Ahmadie als Macher des Festivals die Zugabe spielen. Ebenso berechtigt befanden sie sich nach dem Konzert in Hochstimmung. Nicht nur das Konzert war prächtig gelungen und die musikalischen Gäste zeigten sich von Fluidum und Publikum begeistert, wie Finger und Saigusa unisono versicherten. Die zweite Auflage der Kammermusikreihe darf jetzt schon als Erfolg verbucht werden. Das nächste Konzert am kommenden Freitag ist bereits ausverkauft und das Finale am 29. April bereits sehr gut nachgefragt. Beide Male gibt es im Rahmen des Festwoche deutsch-französische Musik.