Vor allem die vierstämmige Kaukasische Flügelnuss am Schloss-See hatte es Claudius Wecke zu Beginn angetan, mit ihrem ungemein eleganten Geäst und ihrer jugendlichen Kraft. Es gibt nicht viele solcher prächtigen Nachwuchsbäume, die Pücklers Idee versinnbildlichen. Wie kann bei alterndem und leider schon teilweise abgängigem Altbaumbestand das bestehende Erbe Pücklers kommenden Generationen echt und aussagekräftig überliefert werden?Die in den vergangen Jahrzehnten erfolgte Pflege war dazu nicht angetan. Erhaltung ist mehr als Pflege. Diese Zeit gereicht der Denkmalpflege nicht zur Ehre. Das viele Geld, das nach 1990 in die Branitzer Stiftung floss, diente nur zur Restaurierung der Bauten, die in schönem Glanz erstrahlen und die Folie für die Inszenierungen sind, die erst mit den Bäumen entstehen.Mit seinen Bauten ist Branitz Muskau überlegen, was Gediegenheit und vor allem Ensemblewirkung betrifft. Das Schlossensemble findet so schnell nichts Gleichwertiges in deutschen Landschaftsparks. Intimität ist das Schlüsselwort für dieses detailreiche Kleinod, ein symmetrisch angelegter dreiseitig von Bauten umschlossener Freiraum, das einzige mal, wo das Schloss zentral und voll sichtbar präsentiert wird. Doch blickt man zur Schmiedewiese, wirkt alles asymmetrisch. Viele Bäume sind so gepflanzt, dass sie ihre Individualität voll zur Geltung kommt. Sie gehorchen eisernen Gesetzen, bilden Ensembles, raumumschreibende Dreiecke, sind Zielpunkte der Sichten, betonen Brücken, akzentuieren Eckpunkte von Baummassiven.Alle Baumarten kommen zu ihrem Recht, erhalten zu ihrer Zeit Gelegenheit zum Solopart oder als Glied eines Ensembles. Dabei hat auch die Robinie, die von manchen als "Unkraut" bezeichnet wird, gleiche "Rechte". Sie gehört zu den allerersten gepflanzten Bäumen und ist im Mai/Juni schönster Partner der noch frühlingsschönen Blutbuchen, wenn auch nur für wenige Tage. Es gibt Anregungen, die Hainbuchenlaube wieder entstehen zu lassen, die nur durch Granitblockbänke heute zu erraten ist, von der Gräfin Henriette von Pückler um 1930 beschrieben. Dazu muss aber etwas mehr Licht geschaffen werden, was das Fällen einiger Bäume ohne Wert bedeutet. Nur dann kann auch anstelle des morschen Kastanienbaumes östlich der Laube eine neuzupflanzende dreistämmige Rosskastaniengruppe gedeihen.Bäume fällen - nur so lässt sich all das wiedergewinnen, was in den vergangen 140 Jahren nach Pücklers Tod an Parkbildern verloren gegangen ist. An der gestutzten mehrstämmigen Bubikopf-Hainbuche wurde entschieden, solche Verstümmelungen nicht mehr zuzulassen. Ersatz durch größere Neupflanzungen ist hier angesagt. Die nachgepflanzte, dummerweise zu hoch aufgeastete "Pokallinde" steht sieben Meter zu weit vom Schloss entfernt. Wenn sie am rechten Standort neu gepflanzt wird - und das hat Zeit - müssen dort auch drei bis fünf offene Baumstandorte nachgepflanzt werden. Das 230 Grad umfassende Panoramablickfeld vom Repton-Ring ist ein Genuss. Von diesem höchsten Hügel in der Kette der "Schilfseeberge", zu denen auch Kugelberg und Lindenberg zählen, genießt man den wohl allerbesten Parkeindruck im Hauptpark. Doch kein Weg führt dorthin. "War das auch früher soß", schwebt als Frage im Raum.Vom Repton-Hügel, der übrigens im Hauptblick des Mondsichel-Aussichtsplatzes liegt, kann man die nahe Grau-Pappel bewundern, der bisher schönste Baum im Park. Dann stechen zwei Fußgängerbrücken ins Auge. In ihrem Hintergrund leuchtet ein Teilstück des Oberhauses auf, früher Orangerie genannt, genau in Übereinstimmung mit beiden Brücken - eine echt Pücklersche Lösung. Dieser kleine Teil des Parks mit dem heiligen Kreuz und der Wolfsschlucht birgt noch manch Geheimnisvolles in sich. Helmut Rippl Professor Helmut Rippl ist Landschaftsarchitekt, Park-Restaurator und Pückler-Publizist. Er hält am heutigen Donnerstag um 19 Uhr einen Vortrag über "Sensationelle Entdeckungen in allen Parken des Fürsten Pückler" im IKMZ der BTU Cottbus.