"Der Herr segne Dich und behüte Dich", tönt eine noch etwas blechern klingende Stimme aus dem Inneren der Maschine. "Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über Dir und gebe Dir Frieden." Die rund 1,80 Meter große Blechkiste mit einem großen Touchscreen in der Mitte ist "Bless 2-U", Deutschlands erster Segensroboter. Eine Maschine, die die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) speziell für die Ende Mai in der Lutherstadt Wittenberg beginnende "Weltausstellung der Reformation" entwickelt hat. Besucher der Ausstellung können sich von der Maschine segnen lassen. Der Benutzer hat die Wahl zwischen einer Männer- und einer Frauenstimme, unterschiedlichen Segenssprüchen und Sprachen. Sogar hessisch babbelnkann der "Bless 2-U". Und am Ende kann man den Segensspruch ausdrucken lassen und als Souvenir mit nach Hause nehmen.

Doch dass ausgerechnet die Kirche den Segen Gottes durch eine Maschine verbreiten lässt, ist dabei zunächst einmal irritierend. Soll der Roboter künftig etwa das Pfarrpersonal ersetzen? Nein, es habe nichts mit Pfarrermangel und Gläubigenschwund zu tun, sagt der Projektleiter der EKHN auf der Weltausstellung, Fabian Vogt. Es solle vielmehr eine "charmante Provokation" sein. Heute lebe man in einer Zeit, in der beständig über künstliche Intelligenz debattiert werde. Vor diesem Hintergrund sollten sich die Besucher einmal Gedanken über ihr Verständnis des Segens machen, sagt Kirchenpräsident Volker Jung. Selbst bei Fernsehgottesdiensten werde heute noch darüber diskutiert, ob ein Segen eigentlich wirke, wenn er zeitversetzt gesendet werde. "Aus evangelischer Sicht ist aber das Wort entscheidend, das transportiert wird", sagte Jung. "Es hängt nicht an der sprechenden Person." Die "Weltausstellung der Reformation" findet im Rahmen des Reformationsjubiläums vom 20. Mai bis zum 10. September in der mitteldeutschen Lutherstadt Wittenberg statt.

Wie Jung betonte, habe er den Eindruck, dass das Thema Reformation im Jahr 2017 in Deutschland "wirklich angekommen" und zu einem gesellschaftlichen Thema geworden sei, "über den kirchlichen Kontext hinaus." Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) allerdings scheint an weiteren Diskussionen noch Bedarf zu haben: Zur Halbzeit des Jubiläumsjahres wurde gestern noch einmal eine Broschüre vorgestellt, die die wesentlichen Inhalte des Jahres 2017 zusammenfasst. Sie ist unter www.ekd.de im Internet herunterladbar.