Stadt, Kirche und Chöre finden im Zusammenhang mit einem Programmpunkt der Rosengartenfesttage keinen harmonischen Dreiklang. Für Dissonanzen sorgt der Termin am Sonntag nach dem Festgottesdienst an der Schillerbühne. Horst Hesse, der sich als Sprecher vieler Chormitglieder versteht, sieht das Chorsingen von der Kirchenveranstaltung ,,verdrängt". Denn bis zum Jahr 2003 sei das Chorsingen Sonntag um 10 Uhr etabliert gewesen. Mit dem Festgottesdienst als Programmpunkt um 9.30 Uhr war das schließlich nicht mehr so. ,,Das ist ärgerlich", sagt Hesse, der auch zweiter Vorsitzender des Forster Männergesangsvereins 1832 ist. Sein Argument: Durch die Verschiebung gehe das Singen bis etwa 13 Uhr. ,,Das ist bei gutem Wetter und Mittagshitze ein schweres Problem für ältere Chormitglieder mit gesundheitlichen Beschwerden", führt Hesse sein Argument ins Feld. Aus diesen Gründen werde eine Teilnahme bis zum gemeinsamen Abschlusssingen nicht mehr von allen Chormitgliedern getragen.

Seit dem Jahr 2005 ist der Termin laut Hesse immer wieder Thema. ,,Bis zum Jahr 2010 wurde auf eine Verbesserung im Folgejahr vertröstet", sagt Hesse. Doch passiert sei nichts. Besonders taktlos findet Hesse, dass sich die Kirche seiner Meinung nach nicht auf eine Diskussion über den Termin eingelassen habe. In den Chören sei schließlich sogar über ein Boykott der Veranstaltung diskutiert worden.

Pfarrer Christoph Lange sieht das anders. Er könne Programmpunkte nicht einfach ohne die Stadt ändern, erklärt er. Und die Stadt ist schließlich der Veranstalter der Rosengartenfesttage. Er sei etwas überrascht gewesen über die schrillen Töne, so Lange. Der Pfarrer: ,,Man darf nicht vergessen. Der Streit dreht sich um eine halbe Stunde." Aber er habe auch signalisiert, dass der Gottesdienst künftig eine halbe Stunde früher beginnen könne.

Noch etwas ärgert Horst Hesse: ,,Wer zum Gottesdienst geht, braucht kein Geld zu bezahlen. Ich kann die Stadt als Veranstalter nicht verstehen, sie hat leere Kassen, lässt sich aber wegen der Kirche einen Teil des Eintritts entgehen."

Pfarrer Christoph Lange entgegnet: ,,Auch wir als Kirche setzen zu diesem Fest Akzente."

Dr. Andreas Kaiser vom Fachbereich Bildung der Stadt stimmt ein: ,,In der Kirche wird bei einem Gottesdienst auch kein Geld verlangt." Zudem habe sich die Kombination Gottesdienst und Chorsingen in den vergangenen Jahren bewährt. Deshalb habe ihn die Schärfe der Diskussion sehr betroffen gemacht. Insbesondere, weil es eine Absprache mit den Chören gegeben habe, so Kaiser

Doch offenbar singen auch die Chöre nicht das gleiche Lied. Denn Hesse wirft den jeweiligen Chorvorständen vor, ,,vor Stadt und Kirche kapituliert zu haben".

Damit wenigstens der Rhythmus im nächsten Jahr stimmt, greift die Stadt erneut zum Taktstock: ,,Wir versuchen jetzt zu vermitteln", sagt Andreas Kaiser. Verschiedene Angebote und Vorschläge würden derzeit ausgelotet. Spätestens im kommenden Jahr versuche die Stadt, die verschiedenen Töne und Interessen in Einklang zu bringen.

Horst Hesse vom Männergesangsverein reicht das allerdings nicht: Er hofft noch für dieses Jahr auf eine ,,einvernehmliche Lösung".