Chinas Eltern sind verunsichert, besorgt - und wütend über die wochenlange Vertuschung des Skandals. Landesweit werden die Krankenhäuser von Eltern und Großeltern gestürmt, die ihre Sprösslinge untersuchen lassen wollen.

"Ich weiß einfach nicht, was ich meiner Tochter noch zu essen geben soll", sorgt sich die 34-jährige An Fengyun. Wie Dutzende andere besorgte Eltern wartet sie vor einem Pekinger Kinderkrankenhaus, um die Nierenwerte der Zweijährigen überprüfen zu lassen.

In der Provinz Gansu im Nordwesten des Landes, wo der Milchpulverskandal seinen Ausgang nahm und zwei der drei Todesfälle registriert wurden, kommt der Lehrer Qi Yunzhong mit seinem zweijährigen Sohn aus dem Krankenhaus zurück. Bei dem Kleinen wurde ein zwei Millimeter großer Nierenstein festgestellt, doch nach Angaben der Ärzte hat er gute Heilungschancen. "Sie haben mir gesagt, dass er keine Behandlung braucht, er soll einfach viel Wasser trinken", erzählt der Familienvater. Er berichtet, dass viele Familien jetzt auf Ziegenmilch zurückgreifen, um ihre Babys zu füttern. Größere Kinder bekommen gar keine Milch mehr. "Wir sind wütend, aber was können wir schon tun?" fasst er die allgemeine Stimmung zusammen.

An Milchsammelstationen soll der zur Milchpulverproduktion bestimmten Milch Melamin beigemengt worden sein, vermutet die chinesische Regierung. Betrüger wollten damit einen höheren Proteingehalt vortäuschen. Eigentlich wird die Chemikalie Melamin zur Kunststoff- und Flammschutzmittelproduktion genutzt. Wird sie mit der Nahrung aufgenommen, kann sie durch das Zusammenspiel mit anderen häufig vorkommenden Stoffen kristallisieren und die Bildung von Nierensteinen auslösen.

Erste Berichte über Erkrankungen erhielt der führende Milchpulverhersteller Sanlu bereits im März. Der Skandal wurde jedoch lange vertuscht, ohne dass ein Rückruf gestartet wurde. Der neuseeländische Hauptanteilseigner, die Fonterra Gruppe, stellte Sanlu allerdings als Opfer einer "kriminellen Verschmutzung" dar. Auch andere ausländische Milchunternehmen sind betroffen. Der skandinavische Molkereikonzern Arla, der in China mit der Firma Mengniu kooperiert, rief alle Milchpulver-Produkte vom chinesischen Markt zurück und stellt die Produktion ein. Wie ein Konzernsprecher in Stockholm sagte, wurde in drei von 28 untersuchten Produktproben des Tochterunternehmens Mengniu Arla die giftige Chemikalie gefunden. AFP/dpa/bw