Er und seine Bandkollegen konnten sich nach ihrem Auftritt in der Berliner „o2 World“ nur sichtlich schwer von der Bühne trennen, hatten sie doch gerade eines jener erinnerungswürdigen Konzerte in ihrer Karriere gespielt. Mit der Show zur Veröffentlichung ihrer - am selben Tag erschienenen - CD „Death Magnetic“ beendete Metallica die fünfjährige Wartezeit auf ein neues Album.

Der Anlass des Abends war für die kalifornischen Hardrocker anscheinend bedeutend genug, um es ansonsten puristisch angehen zu lassen. Keine ausgeklügelten Pyroeffekte wie sonst bei Metallica-Konzerten, keine Vorgruppe - und eine simple Bühne in der Saalmitte, auf der die Musiker stetig ihre Position änderten, um von jeder Seite mal gesehen werden zu können. Null Abstriche machte die Gruppe dagegen in musikalischer Hinsicht: Gewohnt energiegeladen und mit viel Spielfreude lieferte sie zweieinhalb Stunden lang Heavy Metal auf höchstem Niveau.

Der Auftritt als erste Band in Berlins neuer, prächtiger Mehrzweckhalle richtete sich vor allem an eingefleischte Metallica- Liebhaber. Die Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro, die an eine Hilfsorganisation gespendet werden, konnten nur über Fanseiten im Internet gekauft werden. Die Art der Ticketvergabe verlieh der Veranstaltung den Charakter eines großen Fantreffens. Nicht ohne Wirkung auf die Band: Die vier Hardrocker machten Scherze, nutzten Pausen, um mit den Fans Kontakt aufzunehmen und überhäuften das Publikum mit netten Worten. „Ihr seid unsere Familie“, rief Hetfield den 17 000 zu.

Auch die Songauswahl unterschied sich deutlich vom typischen Metallica-Konzert: Das eigentliche Pflichtprogramm mit Hits wie „Enter Sandman“ oder „Nothing else matters“ wurde für den Abend gestrichen, dafür erklangen Fan-Favoriten wie das Frühwerk „Jump in the Fire“ oder das martialische „Blackened“, die in den vergangenen Jahren kaum noch live gespielt worden.

Der Schwerpunkt lag dem Anlass entsprechend auf dem neuen Album, von dem die Combo fünf Stücke spielte, drei davon erstmals vor Publikum. Insbesondere den Auftaktsong der CD, „That was just your life“, bejubelten die Konzertbesucher heftig.

„Death Magnetic“ ist das neunte Studioalbum von Metallica in der rund 27-jährigen Bandgeschichte. Nach Verirrungen in seichtere Rockgefilde mit „Load“ (1996) und „Reload“ (1997) und einem experimentellen Werk vor fünf Jahren („St. Anger“) knüpft die Band nun an ihre Alben aus den 80er Jahren an, die von kompromisslos harten und komplex strukturierten Thrash-Metal-Songs geprägt waren. Wie schon bei „Master of Puppets“ (1986) oder „And Justice for All“ (1988) steht Metallica jetzt wieder für brachiale Gitarrenriffs, unvermittelte Tempiwechsel und rasante Soli.

Das amerikanische Musikmagazin „Rolling Stone“ ließ sich in seiner Rezension wegen der wiedergefundenen Härte sogar zu einem heiklen Vergleich mit dem Georgien-Konflikt hinreißen: Metallica sei wie Russland ein schlafender Riese gewesen, der mit einem plötzlichen Akt der Aggression wieder auf sich aufmerksam gemacht hat. Angemessener ausgedrückt: Die Rückbesinnung, aber auch die musikalischen Erfahrungen seit Ende der 80er, haben es der Band ermöglicht, eine innovative, anspruchsvolle und trotz aller Komplexität und Rasanz eingängige CD aufzunehmen.

Ein Löwenanteil an diesem Erfolg geht mit Sicherheit an Metallicas neuen Produzenten Rick Rubin (U2, Red Hot Chili Peppers, Shakira), den die Gruppe für die Aufnahmen von „Death Magnetic“ engagiert hatte. Rubin wisse, wie ein Künstler auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu klingen habe, sagte Gitarrist Kirk Hammett kürzlich in einem Interview. Das neue Album und der Auftritt in Berlin zeigen: Die Band ist wieder auf einem guten Weg.