Der in Dresden lebende Kunsthistoriker Martin Schuster ist Hauptinitiator des internationalen Vorhabens. „Ich befasse mich seit über zehn Jahren intensiv mit der Biografie des im 18. Jahrhundert europaweit bekannten Kunstgelehrten Carl Heinrich von Heineken“, erklärt der 40-Jährige. Aus den Händen von Udo Mai und Karl-Heinz Grund nahm er kürzlich vor der Hauptfassade des von Heineken umgestalteten Barockschlosses einen 2500-Euro-Scheck entgegen. „Wir wissen diese Mittel in guten Händen und freuen uns, dass die Geschichte des prominenten Bürgers unserer Gemeinde intensiv aufgearbeitet und publiziert wird“, würdigten die beiden geschäftsführenden Gesellschafter des ortsansässigen Gleichrichterwerkes Großräschen. „Die Zuwendung soll als Anschubfinanzierung wahrgenommen werden, aber auch als Anregung für alle Personen, die eine besondere Beziehung zum Schloss, zum Ort und zu Heineken haben und unserem Beispiel folgen wollen“, betonen sie. „Es wird ein ebenso außergewöhnliches wie umfassendes Werk entstehen, in dem Altdöbern als ein Zentrum der Kunstgeschichte im 18. Jahrhundert dargestellt wird“, prophezeit Martin Schuster. 16 themenspezifische Beiträge und rund 100 Abbildungen wird der hochwertige, 200-seitige Kunstband umfassen. „Uns ist es gelungen, namhafte Wissenschaftler und Historiker zu begeistern und zum Mitwirken zu beflügeln“, schwärmt Schuster. Professoren und Doktoren aus Dresden, Berlin, Köln, Trier und München, aber auch aus Frankreich, den USA und Kanada werden sich einbringen, so der Elbestädter. Als Co-Autor wird Altdöberns Bürgermeister, Horst Bernstein (parteilos), einen Bericht zu Heinekens Bedeutung für die Region beisteuern. Angemessen berücksichtigt werde ebenso das Barockschloss, in dem 1977 Szenen des Defa-Spielfilms „Der Meisterdieb“ gedreht wurden und das derzeit von der Brandenburgischen Schlösser GmbH aufwendig restauriert wird. Wie Martin Schuster informiert, können sich die Leser des Buches einen Überblick zu den räumlichen Gegebenheiten des Schlosses im Jahr 1763 verschaffen. „Wir besitzen ein Durchsuchungsprotokoll, das wir aus dem Französischem ins Deutsche übersetzen“, erklärt der Historiker.

Heineken wurde seinerzeit vor Gericht gestellt. Ihm wurde angelastet, er habe die sächsische Finanzkrise mit verursacht. Das Durchsuchen seines Altdöberner Wohnsitzes war letztendlich ebenso wenig von Erfolg gekrönt, wie das Belegen von Verfehlungen in weiteren Anklagepunkten. Als Privatsekretär und Bibliothekar stand Heineken seit 1739 im Dienst des Kabinettsministers Graf Heinrich von Brühl und wurde 1746 zum Direktor des königlichen Kupferstich-Kabinetts ernannt. Unter seiner Mitwirkung kamen Kunstwerke nach Dresden, darunter auch Raffaels Sixtinische Madonna.

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Zum ThemaErscheinen soll die umfangreiche Festschrift über Carl Heinrich von Heineken Mitte kommenden Jahres. Aller Voraussicht nach im Rahmen der vom Kulturland Brandenburg durchgeführten Festveranstaltung vom 10. bis 13. August 2012 im Altdöberner Schloss und seinem Landschaftspark.Carl Heinrich von Heineken besaß Rittergüter in Altdöbern, Bollendorf, Kleinjauer und Muckwar sowie das Dresdner Palais am Taschenberg. Er starb am 23. Januar 1791 in Altdöbern.