Großkoschen. Kuriositäten des Alltags spüren die Macher der Unterhaltungssendung "Außenseiter - Spitzenreiter" seit nunmehr 40 Jahren auf. Fündig geworden sind die Fernsehleute jetzt auch in Großkoschen.

Klaus Hirsch hatte die RUNDSCHAU vor gut einem Jahr über "sein Kamera-Auge" im Meisenkasten aufgeklärt. Das furchtbar streitsüchtige Blaumeisenpaar, das sich dann auch im Umgang miteinander als liebevolle Eltern zeigte, hat die Aufmerksamkeit des Fernsehteams der ostdeutsche Kultsendung erweckt. Klar hat Klaus Hirsch, der in diesem Jahr wieder Familie Star beobachtet, auch die Fernsehleute gern empfangen. "Ich bin zum ersten Mal geschminkt", erzählt er am gestrigen Mittwochnachmittag nach mehreren Stunden harter Aufzeichnungsarbeit für fünf bis sechs Minuten der Sendezeit lachend, aber doch auch erschöpft. "Es ist schon interessant, mal zu erleben, wie oft Aufnahmen wiederholt werden, bis der Redakteur zufrieden ist mit dem Ergebnis und alles im Kasten hat", sagt Klaus Hirsch.

Deutlich gemütlicher, wenn auch die Ungeduld oft mitschaut, geht es da auf seinem Beobachtungsposten zu. Das Kamera-Auge überträgt das Geschehen im Nistkasten praktisch rund um die Uhr auf den Bildschirm in der guten Stube. Der Großkoschener braucht nur zuzuschalten.

Am 16. März hatte das Staren-Paar mit dem Nestbau begonnen und dieses am 12. April vollendet. Drei Tage später legte das Weibchen das erste Ei. "Jeden weiteren Tag gab es jetzt ein neues", berichtet Klaus Hirsch - am gestrigen Tag der Fernseh-Aufzeichnungen in Großkoschen, morgens um 8 Uhr, hat die Starin das Quartett pünktlich voll gemacht. Zwei Stunden später sind die großen Kameras für die Sendung in Betrieb gegangen. "Ich rechne mit insgesamt sechs Eiern", wagt Klaus Hirsch die Prognose. Fünf hatte das Vogelpaar vor zwei Jahren, sich zwölf Tage lang brav im Nest und auf der Futtersuche abwechselnd, erfolgreich ausgebrütet. Ende April war das erste Junge geschlüpft, Mitte Mai waren die Jungstare ausgeflogen. Das hat Klaus Hirsch natürlich mit seiner Kamera auch eingefangen. Schlotternd vor Angst saß ein Starenjunges im Ausflugsloch, die Federn gesträubt, sodass das Tier weder zurück in den Kasten noch herauskam. "Korki" hatte Hirsch den ängstlichen Vogel deshalb getauft. Und der Star könnte jetzt noch weitaus bekannter werden - ebenso wie der etwas verrückte Vogel-Forscher. "Ich freue mich auf die Sendung, kenne aber selbst auch nur die Sequenzen, die ich gesprochen habe. Der Rest bleibt auch für mich bis zum 2. Mai eine Überraschung", sagt Klaus Hirsch. "Da sind die Fernsehleute eigen", bestätigt er. Einen Tag später wird der Großkoschener beim Regionalverband Senftenberg des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu) über seine Beobachtungen im Staren- und im Meisenkasten berichten (16 Uhr, Tierpark). Einen dritten Film soll es geben, wenn Rotkehlchen, Rotschwänzchen oder Zaunkönig den Halbhöhlen-Nistkasten mit einem größeren Einflugloch angenommen haben, den der Großkoschener den Tieren jetzt in seiner großen Tanne anbietet - mit Kamera und nicht ganz uneigennützig.

Zum Thema:
"Außenseiter - Spitzenreiter", ein Kundendienst für Neugierige, ist die älteste Unterhaltungssendung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Erstmals im Jahr 1972 vom Fernsehen der DDR ausgestrahlt, stellt sie skurrile Leidenschaften und Begabungen sowie Rekorde von außergewöhnlichen Menschen in den Mittelpunkt. Im Dezember moderierte Hans-Joachim Wolfram zum letzten Mal. Seitdem ist Madeleine Wehle das Gesicht der Sendung.