Über die Schulen werden viele Klagelieder gesungen - zu hoch der Druck, zu undiszipliniert die Schüler, zu unzufrieden die Lehrer. Doch nicht alles davon trifft zu, wie eine gestern in Berlin vorgestellte Studie der "DAK Gesundheit" belegt. Demnach sind mehr Lehrer als man denkt zufrieden mit ihrem Job. Obwohl die Schüler unkonzentrierter geworden sind.

Welche Probleme stellen Lehrer bei Schülern zunehmend fest?

In den letzten zehn Jahren haben die Konzentrationsmängel der Grundschüler zugenommen - das sagen fast alle befragten Lehrer. Gleiches gilt für Verhaltensauffälligkeiten. Drei Viertel der Pädagogen haben auch einen Anstieg motorischer Schwierigkeiten, jeweils zwei Drittel eine Zunahme von psychosomatischen Problemen und Sprachstörungen beobachtet. Insgesamt sagen 31 Prozent der Befragten, dass sich der gesundheitliche Zustand der Kinder im Laufe der ersten Schuljahre verschlechtert habe.

Woran liegt das?

Der Stress wächst vor allem durch die "mediale Reizüberflutung", glauben 91 Prozent der Lehrer. Durch Handy, Computer, Fernsehen. Hinzu kommt der Erwartungsdruck der Eltern. Viele hätten "keinen klaren Kiel mehr unter ihrer Erziehung", so Forsa-Chef Manfred Güllner, dessen Institut für die Umfrage 500 Pädagogen der Klassenstufen 1 bis 6 befragte. 59 Prozent der Lehrer finden, dass die Kinder zu wenig selbstbestimmte Zeit haben, 45 Prozent führen außerschulische Aktivitäten für den wachsenden Stress ins Feld - und immerhin 36 Prozent sagen, dass die Anforderungen in der Grundschule zu hoch sind.

Wie begegnen die Schulen dem Stress der Schüler?

"Nur die Handys wegzulassen, bringt nichts. Es muss Bewegung dazukommen", so Martin Halle, Chef des Zentrums für Prävention und Sportmedizin in München. Neben den Sportstunden, meist sind es drei oder zwei, gibt es an den meisten Schulen Bewegungsangebote in den Pausen. 59 Prozent der Pädagogen sagen, dass sie so etwas anbieten. Von Rückzugsräumen für Schüler können aber nur 18 Prozent berichten, von Sportförderunterricht 16 Prozent. Die DAK startet nun eine neue Präventionsinitiative ("fit4future"), um an 2000 Schulen die Gesundheitsförderung voranzubringen.

Wie geht es den Lehrern?

Die Ergebnisse sind überraschend: 77 Prozent bezeichneten ihren Gesundheitszustand als gut und sogar 87 Prozent gaben an, zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein. Belastend finden Lehrer vor allem den Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern und den Lärm in den Schulen. Außerdem fehlt es ihnen an eigenen Erholungspausen im Schulalltag. Jeder Vierte macht sich freilich Sorgen, dass er aufgrund der Anforderungen vor dem Pensionsalter aus dem Beruf ausscheiden muss.

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