Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell war rastloser Schreiber, Afrika-Liebhaber und streitbarer Friedenskämpfer. Rund um den Globus hatte der Schöpfer der Krimis um den mürrischen Kommissar Kurt Wallander Millionen Fans. 2013 erkrankte der Skandinavier im Alter von 65 Jahren an Krebs. Der tückische Tumor wurde Thema seines jüngsten Buchs "Treibsand". Mit seinen Wallander-Krimis hatte der Schriftsteller über Jahre Auflagen in schwindelnden Höhen erreicht. Im deutschsprachigen Raum verkaufte er nach Angaben des Hanser-Verlags rund 20 Millionen Bücher, darunter 15 Millionen Wallander-Krimis. Seine weltweite Gesamtauflage lag laut schwedischem Leopard Verlag bei über 40 Millionen Exemplaren. Der Kommissar aus Ystad katapultierte seinen literarischen Vater regelmäßig an die Spitze von Bestsellerlisten und machte ihn zu einem der meistgelesenen Krimiautoren auf der ganzen Welt.

Noch bevor Henning Mankell berühmt wurde, lernte der ehemalige Cottbuser Erik Gloßmann den "bodenständigen Menschen", wie er ihn beschreibt, 1995 persönlich kennen. Als Übersetzer zwei seiner Wallander-Romane ("Die weiße Löwin" und "Der Mann, der lächelte") hat Gloßmann den Autoren sehr verehrt. "Damals hat mich die Qualität des dritten Wallander-Romans sofort überzeugt. Ich fand das Buch überragend gut", erzählt Gloßmann und hält es nach wie vor für das beeindruckendste seiner Werke. Als sie sich auf der ersten deutschen Lesung des Wallander-Romans trafen, zogen sie zwei Tage gemeinsam durch die Antiquariate der Stadt. "Obwohl er ein viel beschäftigter Mann war, hatte er keine Starallüren und für jeden ein offenes Ohr", sagt der Verlagsvertreter. Nie ging es Mankell um seine Person, immer stand eine bestimmte Sache im Vordergrund. Auch nach der Übersetzung des zweiten Buches Ende der 90er-Jahre hielt Erik Gloßmann Kontakt zu ihm, beschäftigte sich mit seiner Literatur und schrieb Rezensionen. "Er ist mit 67 Jahren sehr früh gegangen und hätte gut weitere zehn Jahre kreativ arbeiten können. Durch sein Werk und Wirken hat er eine Autorität erworben, die auch bleiben wird." Allein Wallander als Mankells Lebenswerk zu bezeichnen, greift viel zu kurz, weiß auch Erik Gloßmann.

Immer war der Schwede mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt - schrieb einen neuen Thriller, drehte eine Serie für das schwedische Fernsehen, produzierte ein neues Theaterstück. Das Erste, was er geschrieben habe, sei ein einseitiger Aufsatz über Robinson Crusoe gewesen, verriet Mankell auf seiner Internetseite. "Das war der Moment, in dem ich Schriftsteller geworden bin." Nicht nur als Autor und Regisseur trat Mankell in Erscheinung. Sein politisches Engagement gegen Armut und Analphabetismus in Afrika nahm einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch. Der Kontinent war neben Schweden seine Heimat, viele seiner Bücher handeln von Afrika. "Meine Zeit zwischen Afrika und Europa aufzuteilen, hat mir Perspektiven und Distanz geschenkt, und ich glaube, es hat mich zu einem besseren Europäer gemacht", schrieb Mankell, der mit Eva Bergman, einer Tochter von Filmregisseur Ingmar Bergman verheiratet ist, auf seiner Internetseite. "Beide Orte sind mein Zuhause."

Ende 2013 wurde bei Mankell ein bösartiger Tumor festgestellt. Als der Schwede seine Krebserkrankung im Januar 2014 in der Zeitung "Göteborgs Posten" öffentlich machte, ereilten ihn Genesungswünsche aus aller Welt. "Ein Kampf aus der Perspektive des Lebens", überschrieb er seinen Text. Diesen Kampf beschrieb der beliebte Schriftsteller den Lesern von da an in einer Kolumne für die Zeitung.