Kultstatus hatte Karl Peglau nicht im Visier, als er den kleinen grünen „Geher“ und den roten „Steher“ entwarf. Peglau war Psychologe im Medizinischen Dienst des Verkehrswesens der DDR – und er sorgte sich um die Fußgänger. Der rasant anwachsende Verkehr Ende der 50er-Jahre überforderte die Menschen – vor allem zum Leidwesen der Passanten. „Mein Mann war sicher: Nur, wenn die Fußgänger das Verkehrssymbol mögen und verstehen, werden sie ihm folgen“, erinnert sich die Witwe des Erfinders, Hildegard Peglau. In seiner Freizeit erschuf ihr Mann sein „Männekin“. Es sollte mehr sein als ein Strich in der Landschaft wie das West-Berliner Pendant von 1957, menschlich und mit starkem Signal.

Schnell war das pummelig-agile Kerlchen mit viel Fläche für grünes und rotes Licht entworfen. Als Politikum entpuppte sich die Gestaltung der Kopfpartie, so Hildegard Peglau: Ein Seitenscheitel? Nicht antifaschistisch genug! Ein prägnanter Lockenkopf? Zu südländisch! Die Lösung lächelte an einem Sommertag in die Fernsehkameras: Die Sonne schien, und Erich Honecker trug einen Strohhut.

Am 13. Oktober 1961 präsentierte Karl Peglau seine „Straßenleitfigur“ im DDR-Verkehrsministerium. Das Ampelmännchen war geboren. Die gemächlichen Mühlen der Bürokratie mahlten aber noch acht Jahre, bis das erste grüne Männchen in Berlin-Mitte seinen Platz in einer Ampel fand.

Die Deutsche Einheit war eigentlich zum Ende des Hutträgers bestimmt. Nach und nach wurden ab 1994 die Verkehrsanlagen erneuert, das Ost-Ampelmännchen wurde gegen den Westkollegen ausgewechselt. Vor der Abwicklung bewahrte ihn aber ausgerechnet ein Schwabe.

Markus Heckhausen ist der Designer, der aus dem Männchen eine Kultmarke machte. „Ich fand es unsäglich, so eine charakteristische, sympathische Figur einfach auszutauschen“, erzählt der Tübinger. Er ist selber so alt wie der Mann in der Ampel, Anfang der Neunziger kam er als Studienabsolvent in die Künstlerszene im Ostteil Berlins. Er sammelte die bereits abmontierten dunklen Blenden von Fußgängerampeln und fertigte daraus seine ersten Produkte: Eine grüne und eine rote Leuchte mit Zackenkranz. Heute verkauft Heckhausen sie und andere Ampelmann-Produkte – die Firma setzte 2010 sieben Millionen Euro um.

Die Produkte stärkten die Popularität des Ampelmännchens – und beflügelten die Proteste gegen sein Verschwinden. Seit 1997 ersetzen wieder neue Ost-Männchen altersschwache Kollegen – zuweilen sogar im Westen.