Es dauert rund 45 Minuten, bis der Vorsitzende seinen Vortrag beendet. Eine Dreiviertelstunde lang trägt er die lange Vorstrafenliste des 34-jährigen Angeklagten vor. Autodiebstahl, Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis - Benjamin H. ist kein unbeschriebenes Blatt. In der kommenden Woche wird er wieder verurteilt werden, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht. Dann aber wegen schwerer Vergewaltigung und Geiselnahme einer Berliner Prostituierten. Und er soll für sieben Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

20 000 Euro Schmerzensgeld fordert die Anwältin der 22-jährigen Barbara S. zusätzlich. Nach der Tat habe ihre Mandantin in ihrer Heimat Ungarn psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Nach ihrer Aussage in der vergangenen Woche vor dem Cottbuser Landgericht sei sie erneut zusammengebrochen und brauche wieder ärztliche Hilfe. Benjamin H. kann sich nicht erinnern an die Nacht im Oktober 2012, sagt er. Auch am zweiten Prozesstag. Er schweigt weiter.

"Warum sollte sich eine kleine, schmächtige Frau mit einem Freier in die Brandenburger Einsamkeit begeben?", fragt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Auf einer abgelegenen Straße im Schönefelder Ortsteil Kleinziethen soll Benjamin H. sein Opfer zum Sex gezwungen haben. Zuvor hat er sie laut Anklage auf dem Straßenstrich in Berlin aufgegabelt. Zum Hotel, auf das sich Freier und Prostituierte geeinigt hatten, ist Benjamin H. aber nicht gefahren.

Die Geschädigte, so der Staatsanwalt, habe irgendwann die Gegenwehr aufgegeben und sich ihrem Schicksal ergeben. So seien die fehlenden Verletzungen zu erklären. An der Glaubwürdigkeit der 22-jährigen Ungarin habe er keine Zweifel. "Sie hatte Angst um ihr Leben."

Zur Urteilsverkündung am kommenden Montag will Barbara S. noch einmal nach Cottbus kommen. Den zweiten Prozesstag aber hat sich die 22-Jährige gespart.