Ganze Wohnviertel wurden unter Schlamm begraben oder weggerissen. Nach heftigem Regen waren drei Flüsse über die Ufer getreten. Die Verbindung auf dem Landweg nach Mocoa war unterbrochen, da zwei Brücken zerstört wurden.

Luftbilder zeigten schwere Schäden. Mocoa liegt in der Nähe der Grenze zu Ecuador, rund 630 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá. "Ein großer Teil der Bevölkerung ist von der Lawine quasi mitgerissen worden. Häuser in 17 Vierteln sind praktisch ausradiert worden", sagte Bürgermeister José Antonio Castro. "Mein Haus wurde auch zerstört, der Schlamm steht bis an die Decke", so Castro.

Die Flüsse Mocoa, Mulato und Sancoyaco hatten sich in der Nacht zu reißenden Strömen entwickelt, die wie Lawinen alles mitrissen, hinzu kamen mehrere Erdrutsche. In der Stadt, die 40 000 Einwohner hat, brach auch die Strom- und Wasserversorgung zusammen. Präsident Juan Manuel Santos sagte eine Kuba-Reise ab, um in die Katastrophenregion zu fahren.

Er beorderte Einheiten der Streitkräfte in die Region, Soldaten nahmen alte Menschen Huckepack, um sie zu retten.

Als Santos am Samstag in Mocoa eintraf, betonte er mit Blick auf die Opfer: "Wir wissen nicht, wie viele es werden." Er verhängte den Katastrophenzustand, um die Hilfsmaßnahmen zu beschleunigen. Rund 2500 Helfer sind im Einsatz. Es ist wegen vieler verschütteter Häuser mit steigenden Opferzahlen zu rechnen. Die Menschen wurden in der Nacht zum Samstag gegen 23 Uhr von dem Unwetter überrascht.

Der Direktor der nationalen Katastrophenschutzbehörde, Carlos Iván Márquez, sagte, es habe ein Zusammentreffen mehrerer Ereignisse durch das Unwetter gegeben. Viele Menschen harrten wegen der Wassermassen auf Dächern aus, um gerettet zu werden. Erst langsam fielen die Pegel wieder und gaben das Ausmaß der Zerstörung in Mocoa frei. Angesichts der hohen Zahl an Verletzten könne die Versorgung nicht ausreichend gewährleistet werden, sagte die Gouverneurin des Departements Putumayo, Sorrel Aroca. Präsident Santos versprach, rasch Abhilfe zu schaffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Opfern in Kolumbien ihr Mitgefühl aus. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reagierte mit Betroffenheit.

In Kolumbien ereignete sich vor 31 Jahren auch die weltweit bisher schlimmste Katastrophe durch eine Schlammlawine. Nach dem Ausbruch des Vulkans Nevado del Ruiz brachte die Lava die Eiskappe des 5390 Meter hohen Vulkans zum Schmelzen und löste damit im November 1985 eine Schlamm- und Gerölllawine aus, die die Stadt Armero auslöschte, 25 000 Menschen starben. Heute ist der Ort ein riesiger Friedhof.