Die erfreuliche Nachricht zuerst: Jochen Rädisch geht es gut. Der Chef des Spreewehrmühlenvereins war weder in Bristol gestrandet, noch hatte er dort seine Tasche samt Reisepass verloren, wie in einer am Montag verschickten E-Mail behauptet worden war (siehe Kasten). Stattdessen hing er in Cottbus beinahe pausenlos an seinem Handy, um besorgten Bekannten Auskunft über sein Wohlbefinden zu geben.

Was war geschehen? Unbekannte hatten das E-Mail-Konto des Spreewehrmühlenvereinschefs geknackt und alle dort gespeicherten Adressen angeschrieben. Das passierte am Montag, kurz nach 2 Uhr in der Nacht. "Ich hatte genau 1086 Kontakte gespeichert, offenbar haben alle die Mail erhalten", sagt Rädisch. Früh um halb sieben klingelte zum ersten Mal sein Telefon. Den ganzen Tag über musste Rädisch seine Bekannten beruhigen. "Zwischendurch hat sogar der Akku meines Handys schlappgemacht", erzählt der 58-Jährige. Stadtverwaltung, Sponsoren, Mühlenprinzessen oder -könige - alle riefen an. "Manchen habe ich erst vor wenigen Tagen Weihnachtswünsche geschickt, auch die haben diese Mail erhalten", so Rädisch. Besonders besorgt hätten sich die Organisatoren der Cottbuser Handwerkermesse gezeigt. Diese soll nämlich Ende des Monates durch Rädisch miteröffnet werden. Ein in Bristol gestrandeter Mühlenwirt wäre dabei nicht sehr hilfreich gewesen.

Am Montag war der Cottbuser damit beschäftigt, Schadensbegrenzung zu betreiben. An die Adressen, die er noch irgendwo gespeichert hatte, schickte Rädisch eine Mail, in der er die Angelegenheit aufklärte. Am Nachmittag erstattete er zudem Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt.

Allerdings wird diese nur wenig Aussicht auf Erfolg haben. Die Täter seien im Umfeld von Betrügerbanden im Ausland zu vermuten, bei der sogenannten Nigeria-Connection, informiert der Verein Antispam e.V., eine gemeinnützige deutsche Verbraucherschutzorganisation. Die Masche sei die Gleiche, nur beim Ort würden die Täter variieren. Bevorzugte Reiseziele der angeblich Gestrandeten seien Schottland (Edinburgh, Aberdeen) oder Spanien (Madrid).

"Mails von unbekannten Absendern sollten am besten sofort gelöscht, eventuelle Anhänge sollten auf keinen Fall geöffnet werden", sagt Polizeisprecherin Ines Filohn.

Ansonsten gelten die allgemein üblichen Hinweise. Das fängt schon beim Passwort für das E-Mail-Konto an, das möglichst aus einer Kombination aus Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen bestehen soll. Sechs Zahlen und sieben Buchstaben hatte Rädisch für sein E-Mail-Konto gewählt. "Ich dachte, das wäre sicher, das Passwort war so komplex, dass ich es mir notieren und dann immer nachschauen musste", erklärt er.

Über eines hat sich Rädisch am Montag besonders gewundert. "Zu den ersten Leuten, die mich besorgt angerufen haben, zählten viele, zu denen ich schon lange keinen Kontakt mehr hatte."