Die riesige Halle ist schon lange außer Betrieb. Auf ihr wachsen Bäume. "Seid vorsichtig, sonst fallt ihr zwölf Meter nach unten", bittet Eberhard Detert vom Verein Land und Leute Region Lausitzer Neiße. Detert führt Gruppen ehrenamtlich durch die ehemalige Spreng-Chemie im früheren Scheuno, heute Brozek. Er erklärt die Geschichte des Werks und erzählt von den Arbeitern und den Arbeitsbedingungen.

Bereits vier Mal hat er die Tour an diesem Tag gemacht. Denn in Forst trifft sich derzeit ein Sommerlager der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. "Wir haben rund 100 Jugendliche von der Ostsee bis nach Hof in Bayern hier", sagt Luka Ortlieb, verantwortlicher für junge Männer beim Pfahl Dresden, einer Art Diözese der Mormonen-Kirche.

Die Jugendlichen zelten noch bis Sonnabend auf dem Gelände des TV 1861 in Forst. Neben dem Besuch der Sprengchemie gibt es jedoch auch tiefgründige Diskussionen. "Heute morgen haben wir diskutiert, warum Gott Kriege zulässt", erzählt Thomas Fischer aus Berlin. "Jeder Mensch hat eine Entscheidungsfreiheit. Aber Gott greift ein, wenn es nötig ist. Er hat schließlich auch Soddom und Gomorrha zerstört", sagt Christoph Reiner, ebenfalls aus Berlin.

Neben den Diskussionen wollen die Jugendlichen aber auch helfen. "Wir bringen das Gelände des TV 1861 auf Vordermann", so Thomas Fischer. Am Donnerstag hat der Chor des Sommerlagers ein Konzert im Rosengarten gegeben. "Darauf haben wir uns gefreut", so Elisabeth Kux aus Mittweida (Sachsen).

Doch auch mit den Themen des Alltags und aus der Schule sollen sich die Jugendlichen befassen. So gibt es neben Gesprächen über den Krieg auch Runden zur Nutzung sozialer Netzwerke, ein tägliches Lektürestudium und die Andacht.

"Dennoch geht es vorrangig darum, die Gemeinschaft zu strärken", erzählt Luka Ortlieb. Für die Berliner Jugendlichen hat das Zeltlager in der Neißestadt aber noch einen Nebeneffekt. "Es ist sehr ruhig hier, nicht wie in Berlin", sagt Thomas Fischer. "Hier können wir die Ruhe genießen." Sie seien bereits zweimal schwimmen gewesen und würden Fußball oder Rugby spielen. "und es macht besonders Spaß weil so viele nette Leute dabei sind". alt

Zum Thema:
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist eine Glaubensgemeinschaft, die sich neben der Bibel unter anderem auch auf die Lehren aus dem Buch Mormon berufen. In Deutschland gehören der Kirche rund 38 000 Menschen an. Auch in Forst und Cottbus gibt es jeweils eine Gemeinde der Glaubensgemeinschaft. Diese haben jeweils rund 120 bis 130 Mitglieder. Nach Cottbus fahren unter anderem auch die Mitglieder aus Spremberg.