Auf seinem neuen Album "Meisterwerke: Verbeugungen" interpretiert der Rockmusiker Roy Blacks Schnulze "Ganz in Weiß" aus dem Jahr 1966. "Ich wollte diese Nummer einfach besiegen", sagt er. Die Spannweite seines 36. Albums reicht von Freddy Quinn über Udo Jürgens bis zu den Einstürzenden Neubauten.

Seine oft verrätselten Texte haben dem Sänger und Schriftsteller den Ruf des Pop-Intellektuellen eingebracht. Mit "Dein ist mein ganzes Herz" landete er 1985 seinen größten Hit. Zwei neue Platten und zwei Bücher hat HRK, wie ihn seine Fans nennen, allein in diesem Jahr herausgebracht.

Das Album "Deutschland" ist politische Analyse in Zeiten von Terrorismus und zugleich persönliche Rückschau auf die Jugend als Flüchtlingskind. Das Buch "Schwebebalken" enthält Tagebuchnotizen. Kunze schreibt ständig, selbst im Auto, wenn er auf Tour oder Lesereise ist. "Das ist kein bewusstes Arbeiten", sagt der Rockpoet. Er sehe sich eher als Empfänger von Ideen, als Medium. Inspiration findet er in der beeindruckenden Bibliothek und Plattensammlung seines Hauses bei Hannover, wo er mit seiner zweiten Frau Gabriele lebt. Hier komponiert der Musiker mithilfe eines altmodischen Kassettenrekorders. "Ich hänge an dem Rekorder wie Inspektor Columbo an seinem alten Auto", erklärt der studierte Deutsch- und Philosophielehrer.

Kunze misstraut neuen Technologien und surft nicht im Internet. "Die Rolle der sozialen Medien beim Aufstieg von Populisten wie Donald Trump bestätigen mich in dieser Auffassung." Der Musiker und Autor ist ein politischer Mensch. Seine Eltern waren aus dem Osten geflohen. Er kam in einem Flüchtlinglager in Espelkamp bei Minden zur Welt. Seine Verwandten im Osten hätten kein gutes Haar an der DDR und ihrer Führung gelassen, sagt Kunze im Buch "Ich will hier nicht das letzte Wort", einem Gespräch mit Ex-DDR-Staatschef Egon Krenz. Die Wiedervereinigung bezeichnet der Liedermacher als "das größte historische Wunder".