Michael Stübgen (CDU/Finsterwalde): Mein Philosophieprofessor hat mir schon vor über 30 Jahren gesagt: „Lesen Sie die MEGA (Marx-Engels-Gesamtausgabe). Seinen Gegner muss man besser kennen, als seinen Freund.“ Das habe ich gemacht! Marx hatte in der Gesellschaftsanalyse – insbesondere zum damaligen Elend der Arbeiterklasse – Recht. Seine Lösungsansätze konnten allerdings nicht funktionieren und insbesondere seine Thesen sind dann von Nachahmern leider extrem missbraucht worden.

Caren Lay (Linke/Hoyerswerda): Marx formuliert den Anspruch, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Dieser Anspruch bleibt aktuell und Leitbild für meine politische Arbeit. Gutes Wohnen, bessere Löhne, höhere Renten, Umverteilung des Reichtums, mehr Geld für Kitas, Schulen, Krankenhäuser. Das ist heute Politik im Sinne von Karl Marx.

Ulrich Freese (SPD/Spremberg): Für die Analyse  gesellschaftspolitischer Fragen stellt Marx auch heute wichtige Instrumente bereit. Er bietet zwar keine Lösungsansätze. Dennoch ist Marx für mich ein wichtiger Denker. Drei Erkenntnisse sind für mich aktuell: Politische Gestaltung findet stets im Spannungsfeld von Gesellschaft und Ökonomie statt. Die Fragen, die sich daraus ergeben, bedürfen einer umfassenden Analyse. Menschen, die die Gegenwart gestalten und verändern wollen, müssen sich engagieren. Gerade in einer globalisierten Welt muss dieser Ansatz immer mehr international sein.

Martin Neumann (FDP/(Vetschau): Sie werden staunen – als Bildungspolitiker halte ich sogar sehr viel von Marx! Bereits 1875 verteidigte er in seiner Kritik des Gothaer Programms die Notwendigkeit von Studiengebühren. Andernfalls bestreiten die höheren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinen Steuersäckel, so Marx damals. Fakt ist auch heute: Über zwei Drittel der Studenten entstammen der Mittel- und Oberschicht. Die Steuern aber, mit denen die Hochschulen finanziert werden, zahlen alle.

Tino Chrupalla (AfD/Weißwasser): Für die herrschenden Parteien, die inzwischen allesamt politisch links stehen, scheint Karl Marx tatsächlich noch praktische Bedeutung zu haben. Linke und Neoliberale verfolgen inzwischen dieselben Ziele: die Abschaffung von Grenzen um „Wohlstand für alle“ zu ermöglichen. Die AfD hält dies für eine typisch marxistische, realitätsfremde Utopie. Soziale Gedanken zum Wirtschaftsleben haben wir sehr wohl, aber die hatte auch schon Martin Luther – Karl Marx führt da eher auf Abwege.

Klaus-Peter Schulze (CDU/ Spremberg): Für mich haben die Theorien von Karl Marx keinen Einfluss auf meine praktische Arbeit als Bundestagsabgeordneter. Die Theorien haben sich als nicht zielführend erwiesen, und die Umsetzung ist in der Praxis gescheitert. Die Bürgerinnen und Bürger haben die politische Wende Ende der 1980er-Jahre in der Mehrzahl der sozialistischen Staaten eingeleitet. Die soziale Marktwirtschaft als erfolgreiches Gesellschaftsmodell hat sich durchgesetzt.

Torsten Herbst (FDP/Bautzen): Karl Marx war zweifellos ein großer Denker und Philosoph. Seine Theorie hat die Geschichte aber weitgehend wiederlegt. Der Kapitalismus als Wirtschaftsmodell braucht klare Leitplanken, aber er ist nicht – wie von Marx behauptet – zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Im Gegenteil, er ist bis heute Motor für gesellschaftlichen Fortschritt und Wohlstand für die breite Bevölkerung.