Den drei deutschen Anwälten steht ratlose Enttäuschung in die verschwitzten Gesichter geschrieben. Der Verhandlungstag vor dem Gericht in der noch sommerlichen Touristenhochburg Antalya hatte für sie mit der Erwartung begonnen, dass ihr junger Mandant aus Deutschland nach fünf Monaten in Untersuchungshaft und nach entlastenden Zeugenaussagen auf freien Fuß kommt. Doch einmal mehr haben die türkischen Richter gestern die Hoffnungen auf eine Freilassung des 17-jährigen Marco wie Seifenblasen platzen lassen.

Große Enttäuschung
Marco wird gestern direkt wieder aus dem Gerichtssaal abgeführt. Wütend-verzweifelt stürmt der in Schwarz gekleidete Vater aus dem Raum auf den Flur des ersten Stockwerkes. Mit fahrigen Gesten und kreisenden Armen macht er seiner Enttäuschung Luft. Die Eltern und ihre Anwälte hatten darauf gesetzt, dass Marco bis zum Ende des Verfahrens gegen Auflagen in einem Hotel oder in einem Gebäude des deutschen Konsulats untergebracht werden könnte. Dagegen fürchten die Richter, der Jugendliche könnte sich aus der Türkei absetzen.
"Reinfall. Katastrophe", fasst der Anwalt Jürgen Schmidt die Lage zusammen. Er betreut den Fall seit Monaten und sagt nun: "Wir sind hilflos. Wir fühlen uns hilflos." Ihm wurden mit Matthias Waldraff und Michael Nagel zwei Anwälte aus Hannover zur Seite gestellt, nachdem der Prozess nur stockend vorangekommen war. Außerdem wurde ein neuer türkischer Anwalt in den Gerichtssaal geschickt. Als sachlich in den Fakten und professionell im Medienauftritt könnte man die Doppelstrategie bezeichnen, die aber nicht den gewünschten Erfolg brachte.
Der Fall Marco steckt weiter in den Mühlen der türkischen Justiz fest. Auf Betreiben des Anwalts des Mädchens soll ein medizinisches Gutachten abgewartet werden, in dem Widersprüche zwischen den bisher vorliegenden Papieren und Zeugenaussagen aufgeklärt werden sollen. Zugleich wartet das Gericht noch immer auf die schriftliche Aussage der 13-Jährigen, die über ein Rechtshilfe-Ersuchen von der britischen Justiz angefordert wurde. Nach dem Ende der türkischen Justizferien müssen sich die Richter zudem erst wieder in den letzten Sachstand einarbeiten.

Türkischer Anwalt nicht erstaunt
Der türkische Anwalt von Marco, Mehmet Asim Iplikcioglu, äußert sich deshalb gestern wenig erstaunt über den Ablauf der Verhandlung. Dagegen empfinden die deutschen Anwälte die Entscheidung der türkischen Richter als große Ungerechtigkeit. "Es ist ein Schock", sagt Waldraff. Die Fortsetzung der Untersuchungshaft sei rechtswidrig, verstoße womöglich gar gegen Marcos Menschenrechte.