Einen Tag nach einer Bluttat mit vier Toten in einer nordfranzösischen Wohnwagensiedlung haben die Behörden weiter nach dem Motiv des Schützen gesucht. Ein Mann hatte am Dienstag im Ort Roye südöstlich von Amiens ein sechs Monate altes Kleinkind, dessen Mutter und Großvater erschossen und ein weiteres Kind schwer verletzt. Beim anschließenden Schusswechsel mit der Gendarmerie traf er zwei Polizisten, einer von ihnen erlag seinen Verletzungen. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve verurteilte das Verbrechen als inakzeptabel und abstoßend.

Es sehe so aus, als ob es sich um eine gewöhnliche Gewalttat handele, sagte Minister Cazeneuve am Mittwoch dem Sender France Inter. "Jetzt wird die Untersuchung die Umstände klären, unter denen es dazu gekommen ist."

Die Tat spielte sich in einem Lager sogenannter "Fahrender" ab - unter diesen Begriff fallen im französischen Recht beispielsweise Roma-Familien, wenn sie in Wohnwagen leben, aber auch Angehörige anderer Volksgruppen.

Der Mann habe sich einem Wohnwagen genähert und dort das Feuer auf die Familie eröffnet, sagte Staatsanwalt Bernard Farret - nach Angaben des Senders France Info schoss der Angreifer mit einem Jagdgewehr.

Die Gendarmerie war schnell vor Ort. Als der Angreifer die Beamten sah, habe er mehrmals geschossen, erläuterte Farret. Die Gendarmen erwiderten das Feuer und setzten den Mann außer Gefecht. Der mutmaßliche Täter war anscheinend betrunken und soll "im weiteren Sinne" ebenfalls zur Gemeinschaft der "Fahrenden" gehört haben. Die genauen Hintergründe waren noch unklar.

Cazeneuve begab sich noch am Dienstagabend ins Krankenhaus von Amiens, wo die Verletzten behandelt werden. "Das ist eine echte Tragödie für diese Familie", sagte er dort. "Ich habe eine gebrochene Familie gesehen, zusammengesackt und unter Schock."