Jänschwalde. Es ist kalt in den Ställen der Agrargenossenschaft Jänschwalde. Rund 350 Milch- und 220 Mutterkühe stehen auf dem Gelände in Drewitz. Die Stallungen der früheren LPG haben weder Fenster noch Türen. Luft und Licht strömen von allen Seiten in die großen Gebäude. "Genau so muss es sein", freut sich Horst Hanschke, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft. "Kühe haben eine Wohlfühltemperatur von 0 bis 10 Grad, die brauchen ordentlich frische Luft.

1980, als Hanschke begonnen hat, in der Landwirtschaft zu arbeiten, galten andere Regeln. Die Ställe wurden im Winter dicht verschlossen, um die Wärme zu halten. Die Kühe selbst waren an Ketten angebunden, wurden an ihrem Platz stehend gemolken und hatten keinerlei Bewegungsspielraum. "Nach der Wende haben wir schnell erkannt, dass sich die Haltungsbedingungen in der Milchproduktion ändern müssen", erinnert sich Hanschke. Schon 1992 wurde ein erster Melkstand auf dem Gelände in Drewitz gebaut. Die Ställe wurden auf Laufhaltung umgestellt, sodass die Kühe sich frei bewegen konnten. Etwas später wurden dann auch die Kälber von der Kette gelassen. Horst Hanschke: "Seitdem richten wir unser Augenmerk ganz stark auf die Verbesserung des Tierwohls und der Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeiter. Alles andere rechnet sich auch gar nicht", weiß der Landwirt. Denn nur eine Kuh, die sich rundum wohlfühlt, kann eine Leistung bringen, die die Milchproduktion wirtschaftlich macht. "Und gute Mitarbeiter finden wir auch nur, wenn sie sich hier wohlfühlen."

Vor wenigen Wochen konnte die Agrargenossenschaft für rund 1 Million Euro ein neues Melkhaus einweihen. Wellness für die Kühe: Der Vorwartehof hat sich von 60 auf 200 Quadratmeter vergrößert, die Melkanlagen sind euterfreundlich und gut zu handhaben. Die Umstellung auf das neue Gebäude ließ die Milchproduktion zunächst etwas sinken. "Jetzt ist sie aber fast wieder auf dem alten Stand", sagt Roland Hartig von Müller-Milch. Er nimmt der Agrargenossenschaft täglich 9500 Liter Milch ab. Vor zwei Jahren waren es nur 7000 Liter. "In einigen Monaten wird die Menge weiter steigen, weil es den Kühen im neuen Melkhaus einfach besser geht", schätzt Hartig. Die Qualität der gewonnenen Milch sei schon jetzt "großartig".

Horst Hanschke ist immer wieder erstaunt, wie hartnäckig sich die Vorurteile gegen Viehhaltung im großen Stil halten. "Die Leute sollen unsere Angebote nutzen und zu den Tagen der offenen Tür auf die Höfe kommen", sagt er. Und auch, dass sich niemand über Lebensmittelskandale wundern müsse, wenn er nicht bereit ist, einen ordentlichen Preis für Fleisch, Obst oder Gemüse zu zahlen.

"Zum Glück hat sich der Milchpreis auch wieder auf einem guten Niveau stabilisiert", sagt Roland Hartig von Müller-Milch. In Deutschland wird derzeit ein Grundpreis von 30 Cent je Liter gezahlt. "Ganz ordentlich", wie Horst Hanschke findet. Seine Kühe, so peilt er an, sollen künftig eine Milchleistung von rund 30 000 Litern schaffen und eine längere Lebenserwartung haben als bisher. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt der Landwirt. Nachdem vor einigen Jahren die Liegeplätze für die Tiere vergrößert wurden, plant er mittelfristig mit dem Um- und Neubau von Stallungen. "Wenn die Tiere sich dann noch wohler fühlen als bisher, schaffen sie eine ordentliche Milchmenge." Dann geht es auch den Menschen gut, die mit den Kühen ihr Geld verdienen.