Es gab zwar vorsichtigen Optimismus, dass dieser Hurrikan sich nicht so verheerend auswirken wird wie "Katrina" vor drei Jahren, als 1800 Menschen starben und gigantische Schäden entstanden. Zum einen ist "Gustav" drei Kategorien schwächer als "Katrina, zum anderen traf die Wucht des Hurrikans zunächst die wesentlich weniger besiedelte Küste westlich der Louisiana-Metropole. An einem Industriekanal im Südwesten New Orleans' schwappte zwar nach Angaben des örtlichen Fernsehsenders WDSU Wasser über die Dämme. Der Deich habe aber zunächst standgehalten.
Aus den besonders bedrohten Bundesstaaten Louisiana und Mississippi an der US-Golfküste waren am Wochenende fast zwei Millionen Menschen geflohen. Die Metropole New Orleans glich gestern Morgen einer Geisterstadt. Die Behörden hatten Zwangsevakuierungen angeordnet. Weniger als 10 000 Menschen seien noch in der Stadt geblieben, sagte der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal. Die meisten hatten mit dem nötigsten Gepäck die gefährdete Region bis zum Sonntagabend verlassen.
Während Bürgermeister Ray Nagin drohte, Menschen, die sich in den nächsten Stunden auf der Straße aufhielten, ins Gefängnis zu stecken, tranken Hartgesottene noch in den Bars im berühmten French Quarter der Jazz-Metropole einen Cocktail oder rauchten eine Zigarette.
Auch wenn "Gustav" weniger heftig als befürchtet die Stadt erreichte, zeigten viele Menschen Verständnis für die Zwangsräumungen. "Auf jeden Fall ist es eine gute Übung. Die Behörden haben bewiesen, dass sie aus der Katastrophe gelernt haben", sagte der Chefredakteur der Zeitung "Times-Picayune", Jim Amoss.
In den Hotels von New Orleans befanden sich Hunderte von Journalisten, ansonsten patrouillierten lediglich Einheiten von Polizei und Nationalgarde durch die ausgestorbene, gespenstisch wirkende, unwirtliche Stadt im Mississippi-Delta. Insgesamt befanden sich laut CNN noch rund 100 000 Menschen in der gefährdeten Küstenregion.
"Dies wird der erste wirkliche Test sein, ob wir aus "Katrina"gelernt haben", sagte Bürgermeister Nagin. Er hoffe, dass die neuen und die verstärkten alten Deiche jetzt standhalten würden. Erst 2011 können die geplanten neuen Deichsysteme laut US-Heimatschutzminister Michael Chertoff die teilweise unter dem Meeresspiegel liegende Stadt wirkungsvoll schützen.
Indes wurde Wirbelsturm "Hanna" im Osten der Karibik zum Hurrikan hochgestuft. Den Berechnungen der Meteorologen zufolge wird er in Richtung Nordwesten drehen und auf die US-Küste zwischen Florida und South Carolina zusteuern.
(dpa/ab)

Hintergrund Der Hurrikan „Katrina“
 Im August 2005 wütete der Hurrikan "Katrina" in New Orleans. Mehr als 1800 Menschen starben. Insgesamt mussten rund zwei Millionen Einwohner entlang der US-Golfküste ihr Zuhause verlassen. Mit einem Schaden von mehr als 80 Milliarden Dollar war "Katrina" zudem der teuerste Wirbelsturm, der die USA je getroffen hat.