Alle Fraktionen der Bad Liebenwerdaer Stadtverordnetenversammlung haben die nötige Haushaltskonsolidierung zum Anlass genommen, in einem Brief an die Verwaltung eine Trennung von Wirtschaftsförderer Michael Bragulla zum Jahresende zu fordern.

Inzwischen hat die Stadtverwaltung mit ihm einen entsprechenden Aufhebungsvertrag geschlossen. Bragulla kann diesen Schritt trotz seiner Zustimmung nicht nachvollziehen, spricht davon, dass dieser "Rausschmiss" von der Amtsleiterrunde forciert worden sei. "Missgunst", so Bragulla, spiele eine große Rolle. "Zum Schluss habe ich keine Post und auch keine Informationen mehr bekommen", so Bragulla. Darüber hinaus habe er sogar das Gefühl gehabt, dass "mir auf Baustellen hinterherspioniert worden ist, um herauszufinden, ob ich diese während der Arbeitszeit besuche."

Bereits im Jahr 2007 war er als damaliger "Leiter Kommunalservice" in die Schlagzeilen geraten, weil unter Planungsunterlagen zur Gestaltung des Mühlberger Gräberfeldes die Bezeichnung "Ingenieurbüro M. Bragulla" stand. Abgeordnete vermuten eine Verquickung von Rathaustätigkeit und Nebenjob. Immer wieder hätte es diesbezüglich auch Mutmaßungen in der Vergangenheit gegeben. Bragulla verweist darauf, dass er sein Wissen der Stadt unter anderem bei der Erarbeitung der Konzept unterlagen für die Nachnutzung des Kiessees Zeischa und der Nachnutzung des Bahnhofsgebäudes unentgeltlich zur Verfügung gestellt habe. Bragulla: "Ich habe mein Büro aufrechterhalten, um die Bauvorlageberechtigung nicht zu verlieren."

Bürgermeister Thomas Richter (CDU) wollte sich zur Personalie nicht äußern, verwies darauf, dass man von der Tätigkeit gewusst habe, der Aufhebungsvertrag aber seinen Grund in nötigen Personaleinsparungen hätte.

Hubert Blaas, Fraktionschef der Linken, begründet die Entscheidung mit der Personalkostenreduzierung und will sich an Spekulationen um die Tätigkeiten Bragullas nicht beteiligen. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Johannes Berger, sieht das ähnlich und sagt: "Ich wusste ja nicht einmal, dass es sich beim Posten des Wirtschaftsförderers um eine freiwillige Leistung handelt." Und er lässt durchblicken, dass man in Bad Liebenwerda "noch nie Glück" mit Personen auf diesem Posten gehabt hätte. "Denken Sie doch nur an Dörschel", so Berger. Auch von ihm hat sich die Stadt getrennt.