"Im Andenken an Mitja und all die kleinen Seelen, die so grausam aus dem Leben gerissen wurden" stand auf den verteilten Flugblättern. Der nach einem Selbstmordversuch schwer verletzte mutmaßliche Mörder Uwe K. kann frühestens heute vernommen werden. Der Mann soll Mitja vor einer Woche sexuell missbraucht und erstickt haben.
Die Leiche des Jungen wurde am vergangenen Samstag in einer Kleingartenanlage in Schkeuditz in der Laube des mutmaßlichen Mörders entdeckt. Am vergangenen Donnerstag hatte der tatverdächtige Uwe K. versucht, sich mit einem Sprung vor eine Straßenbahn unweit des Tatorts das Leben zu nehmen. Er überlebte den Suizidversuch und liegt derzeit in einem Leipziger Krankenhaus. Der Zustand des 43-Jährigen sei noch immer kritisch, erklärten die Ärzte. "Er muss weiter intensivmedizinisch betreut werden und kann nicht transportiert oder vernommen werden", sagte gestern die Sprecherin des Krankenhauses, in dem er seit Donnerstag behandelt wird. Die Verlegung in eine Haftklinik und eine Vernehmung waren ursprünglich für heute geplant.

Bessere Kontrolle gefordert
Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) sprach sich unterdessen in der "Sächsischen Zeitung" für unbefristete Regeln und Verbote für gefährliche Straftäter aus, um diese nach ihrer Haftentlassung besser kontrollieren zu können. Mackenroth forderte zudem, die Entlassung eines Straftäters allein von seiner Gefährlichkeit abhängig zu machen. Für die Arbeit von Bewährungshelfern wolle er Qualitätsstandards festlegen.
In der Debatte um den schärferen Umgang mit Sexualstraftätern warnte der Berliner Kinder- und Jugendpsychiater Oliver Bilke davor, die Stärkung von Kindern aus den Augen zu verlieren. "Es passiert immer wieder, dass Kinder mit Erwachsenen mitgehen, weil ihnen nicht eindringlich genug bestimmte Regeln vermittelt wurden", sagte der Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Vivantes-Klinik Berlin. "Deswegen muss man sie immer wieder altersgerecht auf Gefahren aufmerksam machen."
Uwe K. ist fünfmal wegen sexueller Vergehen an Kindern verurteilt worden. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, er sei bei einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung im Jahr 1998 als gefährlich eingestuft worden. Einem psychiatrischen Gutachten zufolge hat der 43-Jährige seine Missbrauchshandlungen in einem "Rauschzustand" verübt, berichteten "Bild"-Zeitung und auch das Nachrichtenmagazin "Focus".
"Zwischen seiner wiederholten Delinquenz und seinem Hang zu übermäßigem Alkoholgenuss besteht ein ursächlicher Zusammenhang und darüber hinaus die Gefahr zukünftiger erheblicher rechtswidriger Taten", zitierte "Bild" aus dem Urteil des Leipziger Landgerichts. (dpa/sh)