Schon Stunden vor der eigentlichen Trauerfeier hatten sich hunderte Italiener versammelt, um des Opernstars zu gedenken. Sie strömten auf den Hauptplatz der Heimatstadt des Sängers, wo aus Lautsprechern Pavarotti-Arien erklangen. Pavarotti, der jahrzehntelang auf allen großen Bühnen der Welt gestanden hatte, war am Donnerstag im Alter von 71 Jahren an einem Krebsleiden gestorben. Mehr als 100 000 Menschen hatten ihm die letzte Ehre erwiesen und waren an dem offenen Sarg in der Kathedrale vorbei gezogen, in dem der Tote bekleidet mit einem schwarzen Smoking lag. In den Händen hielt er ein weißes Taschentuch, wie er es oft bei seinen Auftritten trug, und einen Rosenkranz.
Die Trauerfeier selbst sei eher ein letztes "Pavarotti & friends" gewesen, schrieb die römische Zeitung "La Repubblica" gestern, weil Bono, U2 und Zucchero herausstachen: "Die wahren Freunde waren da, und doch hätte der Maestro das so eigentlich nicht gewollt, Wehmut nervte ihn doch." Viele fragten sich unterdessen, wo die ganz Großen der Opernwelt waren, um dem Belcanto-Weltstar in Modena "addio" zu sagen - besonders vermisst wurden José Carreras und Placido Domingo.
Während der Zeremonie, die vom Fernsehen in die ganze Welt übertragen wurde, war der Sarg geschlossen und mit Sonnenblumen und Rosen bedeckt. Neben Italiens Ministerpräsident Romano Prodi und mehreren Ministern war der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan war anwesend. In der ersten Reihe saßen Pavarottis Ehefrau Nicoletta und seine Kinder, auch seine erste Ehefrau Adua Veroni. Pavarottis Töchter brachen während der Messe in Tränen aus.
Zu Beginn der Trauerfeier sang die aus Bulgarien stammende Sopranistin Raina Kabaiwanska ergreifend das "Ave Maria" aus der Oper "Otello" von Giuseppe Verdi. Bischof Benito Cocchi verlas ein Beileidsschreiben von Papst Benedikt XVI. Darin hieß es, der gestorbene Künstler habe "mit seinem außerordentlichen Sangestalent das göttliche Geschenk der Musik geehrt".
Cocchi würdigte den großen Andrang als Zeichen "der Wertschätzung, Zuneigung und Dankbarkeit. Pavarotti wird immer für diese Stadt stehen." Schon als Junge habe Pavarotti in der Kathedrale gesungen, während sein Vater Mitglied des Erwachsenen-Chores war. "Italien ist heute traurig und stolz auf Pavarotti", drückte Regierungschef Prodi aus, was viele seiner Landsleute empfanden.
Mit einem eindringlichen "Reigen seliger Geister" aus der Gluck-Oper "Orpheus und Eurydike" nahm der italienische Flötensolist Andrea Griminelli während der Messe Abschied von Pavarotti. Der Tenor Andrea Bocelli verbreitete tief bewegt mit Mozarts "Ave Verum" eine herzergreifende Stimmung. Anhaltender Beifall erfüllte die Kathedrale von Modena nach dem Video von Cesar Francks "Panis Angelicus" in der Interpretation von Pavarotti und Pater Fernando. Chorgesang aus einem Requiem beendete die Ehrung jenes Mannes, der über Jahrzehnte hinweg Botschafter des italienischen Belcanto war.
Als Pavarottis Sarg am Ende der eineinhalbstündigen Feier aus der Kirche getragen wurde, fielen die Wartenden vor der Kirche spontan in einen donnernden Applaus. Eine Formation von zehn Kampfjets hinterließ am Himmel Kondensstreifen in den Farben der italienischen Flagge, rot-weiß-grün. Nach Angaben des Kommandeurs Massimo Tammaro geschieht dies normalerweise nur bei Staatsbegräbnissen.