Den Begriff Wende finden viele ehemalige Einwohner der DDR unpassend. Auch eine aktuelle Umfrage der LR unter 546 registrierten Leserinnen und Lesern des LR-Umfragecenters stützt dieses Bild: Die meisten der Umfrage-Teilnehmer lehnen den Begriff Wende für die Zeit der Proteste gegen die DDR-Regierung, den Mauerfall und die Grenzöffnung bis zur deutschen Einheit ab.

44 Prozent sind dafür, einfach vom Ende der DDR zu sprechen. 32 Prozent nennen diese Zeit vorzugsweise friedliche Revolution. Dagegen meinen 17 Prozent, dass der Begriff Wende am besten für die Umbrüche nach dem Mauerfall passe. Die LR-Umfrage ist nicht repräsentativ, da keine Auswahl der Teilnehmer nach Alter oder Geschlecht gemäß der regionalen Bevölkerungsanteile erfolgt.

Der Begriff Wende beziehungsweise Wendezeit geht auf den DDR-Politiker Egon Krenz zurück. Krenz wurde im Oktober 1989 anstelle des zurückgetretenen langjährigen SED-Parteichefs und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker an die Spitze der SED gewählt. Er gab sich in den Diskussionen um Demokratie und Freiheit in der DDR reformbereit. Bürgerrechtler nehmen ihm das nicht ab und lehnen auch den Begriff Wende für die Umbruchszeit 1989/1990 ab.


Wie erinnern Sie sich an den Mauerfall und die Umbrüche am Ende der DDR 1989 und 1990? So antworteten Leser in der LR-Umfrage.
Wie erinnern Sie sich an den Mauerfall und die Umbrüche am Ende der DDR 1989 und 1990? So antworteten Leser in der LR-Umfrage.
© Foto: Katrin Janetzko

In der Umfrage der Lausitzer Rundschau haben sieben Prozent der Befragten auch andere Ideen geäußert, wie diese Phase in der deutschen Geschichte genannt werden könnte. Beispielsweise „vom Kapital ausverkauft“, „Ausverkauf der DDR“ oder „eine Chance für einen Neuanfang in Deutschland“. Einer schlägt auch „Konterrevolution“ vor.

Das könnte auch die sozialistische Führung der DDR so interpretiert haben, die in den letzten Monaten der DDR dann nach den ersten freien Wahlen zur Volkskammer (18. März 1990) die Macht im Staat abgeben musste. In der Folge traten fünf neue Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland zum 3. Oktober 1990 bei; das geteilte Berlin wurde wiedervereinigt.

Mehrheit in LR-Umfrage: DDR war kein Unrechtsstaat

LR-Leser haben in dieser Umfrage auch darüber abgestimmt, ob die DDR als Unrechtsstaat gelten muss – wegen der politischen Urteile in der Justiz beispielsweise und der Verfolgung andersdenkender Minderheiten. 14 Prozent sind der Ansicht, dass die Bezeichnung auf den rechtlichen Zustand der Deutschen Demokratischen Republik zutrifft.

Die meisten Umfrage-Teilnehmer sehen die DDR allerdings differenzierter. 56 Prozent antworteten: „Ja und nein, das hängt von den Lebensrealitäten und gemachten Erfahrungen ab.“ 30 Prozent sagen nein, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen, und man habe dort gut leben können.

60 Prozent der befragten Leserinnen und Leser verbinden mit dem Mauerfall 1989 positive Gefühle. Weitere 36 Prozent sagen, dass sie teils, teils positive und negative Gefühle hätten. Zwei Prozent haben demnach an den Mauerfall eine schlechte Erinnerung. Zwei Prozent der Umfrageteilnehmer ist er nach eigenen Angaben egal.

Lausitzer reisten nach dem Mauerfall schnell mal in den Westen

36 befragte Lausitzer (zusammen sechs Prozent) waren demnach entweder gleich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 oder am nächsten Tag im Westen, zum Beispiel in West-Berlin. Die meisten – 56 Prozent – haben die Tage unmittelbar nach der Öffnung der DDR-Grenzübergänge zur Bundesrepublik für eine Fahrt in den Westen genutzt.

Weitere 27 Prozent der Befragten fuhren ein paar Monate nach dem Mauerfall rüber. 14 Teilnehmer der Umfrage (drei Prozent) kreuzten an, dass sie aus dem Westen seien und nach dem Mauerfall erstmal in den Osten gefahren seien. Sieben Prozent gaben an, sie seien zu jung, um diese Frage zu beantworten.

Wie betrachten Sie die Zeit der friedlichen Revolution (Wendezeit) zwischen Mauerfall 1989 und der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990? Schreiben Sie Ihre Meinung an leserbriefe@lr-online.de.

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