Auf Abertausenden Seiten haben Inlandsspione des Geheimdienstes der DDR, der Staatssicherheit (Stasi) bis zum Ende der sozialistischen Diktatur Daten von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt. Unterstützt wurden sie dabei auch von inoffiziellen Mitarbeitern (IM). In der LR-Umfrage zum Mauerfall sind Leserinnen und Leser auch zu diesem Thema befragt worden. Viele beschäftigt das demnach noch.

Von 546 befragten registrierten Mitgliedern des LR-Umfragecenters erklärt ein gutes Viertel (27 Prozent): Ja, es gibt von mir Stasiakten. Mehrheitlich sagten die Befragten allerdings, dass sie es nicht wüssten bzw. dass es ihnen egal sei (43 Prozent). Weitere fünf Prozent wollen sich dazu nicht äußern, zwölf Prozent klicken an, sie seien zu jung gewesen. Demnach sind lediglich 13 Prozent oder 73 Teilnehmer sicher, dass die Stasi über sie keine Akten führte.

Mehr als zwei Drittel derjenigen, die über ihre Stasiakten in der Umfrage Auskunft gaben (insgesamt 150 Teilnehmer), haben ihre Stasiakten beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) angefordert und gelesen.

Zwei Herzen in einer Brust: Was Lausitzer mit ihrer Stasiakte anfangen
© Foto: Katrin Janetzko

LR-Leser: Habe schon geahnt, was in meiner Stasiakte steht

64 Prozent dieser Gruppe sagten, dass sie ihre Akten gelesen hätten und vieles, was darin steht, schon geahnt hätten. Sechs Teilnehmer (vier Prozent) gaben sogar an, dass an den Inhalten der Stasiakte Freundschaften zerbrochen seien. Zusammen ein knappes Drittel der Befragten (32 Prozent) sagte aus, entweder die Akte nicht gelesen zu haben, weil die Befragten den Inhalt lieber nicht kennen möchten – oder weil es ihnen mittlerweile egal sei.

Trotz der Zurückhaltung bei einem Teil der Betroffenen sagen 59 Prozent aller Befragten: Dass die Stasiakten aufbewahrt und zugänglich gemacht werden, sei für die Aufarbeitung des Geschehenen unerlässlich. Ein Drittel (34 Prozent) wiederum entgegnet, man denke, das Kapitel Stasi in der DDR solle abgeschlossen werden. Sieben Prozent der LR-Umfrage sind sich hierbei nicht sicher.

Cottbus

Über das Wie der Aufarbeitung gehen die Meinungen auseinander. Auf die Frage, ob die Aufarbeitung der Geschehnisse in der DDR (Repressalien, Verhaftungen, Bespitzelungen seitens der Stasi) ausreichend sei, antworten 41 Prozent: „Die Form der Aufarbeitung, wie sie passiert ist und weiterhin passiert, reicht aus.“

Minderheit findet, es reicht mit der Stasi-Geschichte

26 Prozent klickten diese Antwort-Möglichkeit an: „Diese nachträgliche Jagd nach Stasi-Spitzeln und der Umgang mit dem Thema Stasi überhaupt sind total übertrieben.“ Fast ebenso viele (22 Prozent) vertreten aber die Meinung, dass noch viel mehr passieren müsse um aufzudecken, wie in der DDR mit Systemkritikern und -gegnern umgegangen worden sei.

Mehrere Leser nutzten auch die Kommentarfunktion im LR-Umfragecenter. Ein früherer Seemann schrieb: Die Umfrage sei für ihn schwierig gewesen. Er sei zur See gefahren und zur friedlichen Revolution in Indonesien gewesen, in Jakarta. „Daher war ich zum Mauerfall im Westen.“ Seefahrt habe aber geheißen: Es habe ein besonderes Verhältnis zur Stasi gegeben. „Ich zum Beispiel musste IM werden, um das Seefahrtsbuch zu bekommen“, schreibt der unbekannte LR-Leser weiter. Denn er sei kein Mitglied der SED gewesen.

Der Leser weiter: „Was sollte ich machen - ich wollte zur See fahren. Das wird aber nicht in der Berichterstattung berichtet, dass es auch diese Falle gab.“ In seiner Akte habe die Stasi vermerkt, dass man ihn schulen müsse, „um die Berichte richtig objektiv zu schreiben“. Man sei also mit seinen 08/15-Berichten nicht zufrieden gewesen, vermutet der LR-Umfrage-Teilnehmer.

Die Umfrage unter registrierten Mitgliedern im LR-Umfragecenter ist nicht repräsentativ.

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