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RUNDSCHAU-Umfrage
Der Einkaufswagen denkt mit

So könnte die Zukunft aussehen: Ein Einkaufswagen-Roboter hilft bei der Suche nach Produkten.
So könnte die Zukunft aussehen: Ein Einkaufswagen-Roboter hilft bei der Suche nach Produkten. FOTO: Kirsty Pargeter/Fotolia
Cottbus. Die Lausitzer RUNDSCHAU befragt mehr als 1300 Leser zum Konsumverhalten der Zukunft. Dabei kommen einige erstaunliche Ergebnisse zu Tage. Von Rüdiger Hofmann

Vom selbstfahrenden Einkaufswagen über digitale Preisschilder bis zu mitdenkenden Regalen: Das ist die Zukunft des Einkaufens. Eines Tages könnten Smartphones und Apps dem Kunden an der Wursttheke weiterhelfen, vor Allergenen warnen und den flottesten Weg durch den Supermarkt weisen. Bezahlen ohne Kasse und Wohlfühlzonen für den Kunden getreu dem Motto: essen, shoppen, chillen – all das geht in den Märkten und Handelsketten der neuen Generation unter einem Dach. Spinnereien oder bald Realität? Die RUNDSCHAU hat mehr als 1300 Leser befragt, wie sie sich das Einkaufen der Zukunft in 25 Jahren vorstellen. Die Auswertung der Umfrage ist zugleich auch der Abschluss unserer zehnteiligen Serie „Ich kaufe regional“.

Bargeldlos, geht das?

Schon jetzt wird über das Abschaffen von Ein- und Zwei-Cent-Münzen diskutiert. Aber geht es künftig auch ganz ohne Scheine und Münzen? Etwa zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass es in 25 Jahren immer noch Bargeld gibt. Denn ohne Bargeld funktionieren weder der Einzelhandel, noch die Gastronomie oder viele Dienstleistungen, denken etwa die Hälfte der Leser. Andere verweisen auf die Tradition: Bargeld gäbe es seit Hunderten von Jahren. Das wird auch immer so bleiben, sagen 44 Prozent. „Bargeld ist ein absolutes Muss im Rahmen der Freiheit der Bürger. Ohne Bargeld landen wir in der totalen Transparenz, deren Konsequenzen wir mal in Ruhe zu Ende denken sollten“, sagt eine Leserin. Gerade bei der Bezahlung von kleinen Beträgen sei das auch für die Zukunft ein nicht wegzudenkendes Zahlungsmittel. Wenn es auch in 25 Jahren noch immer Bargeld gibt, so doch aber nur Scheine, haben wir etwas provokant gefragt. Oder etwa nicht? Hier glauben tatsächlich rund 80 Prozent, dass Münzen bald keine Rolle mehr spielen werden, Scheine aber schon. „Die Kosten für die Produktion von Münzen übersteigen bei weitem ihren Wert“, sagt eine Leserin. Sie seien außerdem zu schwer, und damit seien Bezahlvorgang und Umgang ohne Münzen auch einfacher und praktischer zu bewerkstelligen. Wer möchte schon einen Geldbeutel bei sich tragen, dessen Gewicht einem die Taschen ausbeult und die Hosen runterzieht? Und wer steht schon gerne hinter jemandem an der Kasse, der zehn Minuten braucht, um auf den Cent genau zu bezahlen? Und dennoch gibt es auch Befürworter von Münzen. „Kleingeld wird noch für Einzelkäufe benötigt, so zum Beispiel für die Kugel Eis oder Trinkgeld“, sagt ein Leser. Eben für kleine Beträge wie Automaten oder auch als Sparanreize für Kinder.Auch wenn es also noch vereinzelt Bargeld geben wird, so die Leser, zahlen viele Menschen bereits heute vor allem mit ihrer Bank-, EC- oder Kreditkarte. „Das ist die Zukunft“, sind sich 65 Prozent der Befragten einig.  Schon jetzt würden immer mehr Artikel des täglichen Bedarfs, Dienstleistungen und vieles andere online gekauft. Das wird wahrscheinlich bald die Regel sein. Dazu braucht man kein Bargeld, sagt jeder Vierte.Lautete im Bargeldzeitalter das simple System noch: „Gibst du mir Geld, kriegst du Ware“, geht es heute schon – und in der Zukunft immer öfter – um viel mehr. Ein Verkaufsgespräch könnte etwa so lauten: „Ich hätte da was zu verkaufen. Ich möchte sicher sein, dass ich dafür auch irgendwann Geld kriege, ohne viel Gebühren bezahlen zu müssen. Wenn du mir noch persönliche Daten lieferst, die ich später vielleicht verkaufen kann, kriegst du sogar noch einen Rabatt“, meint der Anbieter. Und der Käufer erwidert: „Ich will zwar zahlen, will aber meine Kreditkartennummer nicht auswendig lernen und möchte natürlich möglichst viele Rabattpunkte bei meinem Bonussystem verdienen.“ Heißt im Klartext: Die Ansprüche sind gewachsen. Man möchte jederzeit Bargeld mit wenig Gebühr beziehen können, seinen Freunden per E-Mail oder App direkt Geld überweisen und vor allem auch sicher sein, dass man nicht für Betrügereien geradestehen muss, wenn Kreditkarte oder Handy geklaut werden. Irgendwo dazwischen stehen Buchhalter und Geldwäscheverhinderer, die genau wissen wollen, wer was wann bezahlt hat und Gewissheit verlangen, dass dabei nicht irgendwie gemogelt wurde.

Bezahlung und Lieferung, aber wie?

Doch geht man gedanklich mal weg vom Bargeld, welche Bezahlmöglichkeiten gibt es denn dann? Per Augenscan, per implantiertem Chip, Bezahlen mit Fingerabdruck, via personenspezifischem Scan mit Verbindung zum persönlichen Konto oder Bezahlung per Handy sind die Topantworten der Leser. Apropos Handy: Eine Alternative sind Handy-Zahlapps. Dabei erfolgt die Abrechnung entweder via Kreditkarte oder direkt über das Bankkonto. Der Zahlvorgang kann im Laden drahtlos per Bluetooth oder mittels eines auf dem Handy angezeigten Punktecodes (QR) übertragen werden. Wie wir morgen bezahlen, ist also auch davon abhängig, wie wir morgen shoppen. In Zukunft werden wir vielleicht Virtual Reality (VR)-Brillen aufsetzen und durch virtuelle Läden wandern. Futuristen träumen davon, dass wir dann mit einfachem Augenzwinkern kaufen und ein Scan unserer Netzhaut dafür sorgt, dass wir zuverlässig identifiziert werden. „Wir werden weiterhin bar bezahlen, aber auch mit Karten, seien sie nun aus Plastik oder hinterlegt auf Mobiltelefonen und mit der Möglichkeit zur Kontaktlos-Zahlung“, sagt Niklaus Santschi, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zahlungsserviceanbieters B + S Card Service der Sparkassenfinanzgruppe. Hinzu kämen Internetbezahlverfahren wie Paypal, aber auch das deutsche System Paydirekt. „Die große, neue Bewegung sehe ich bei In-App-Payments“, so Santschi. In den Apps etwa der Bahn, des Taxiunternehmens oder des Kinos der Wahl bezieht man die Leistung und zahlt dann direkt mit einer hinterlegten Bezahlungsmethode einfach per Klick oder Fingerwisch. Das werde laut Santschi stark zunehmen, weil es einfach, stabil und sicher sei.

Und wie bekommen wir unsere Ware nach Hause? Wir werden – wie heute auch – nach dem Einkauf die Waren selbst nach Hause tragen, sagen 42 Prozent. Und zugleich wird es immer mehr Lieferanten, Zusteller und Boten geben, sind sich rund 30 Prozent sicher. Dass Drohnen oder Roboter die Lieferdienste übernehmen, daran glaubt immerhin schon jeder Sechste. Dabei werde eine Belieferung nach der sozialen Stellung organisiert sein. „Wer es sich durch seine „temporare Besserstellung“ leisten kann, wird die Ware mit Drohnen, oder vielleicht noch „Zustellbooten“, anliefern lassen. Die Konsumenten holen sich ihre Ware vom Terminal ab, der von Robotern bedient wird, indem sie ihren transplantierten Chip ans Serviceportal zur Legitimation halten“, erklärt ein Leser.

Online-Handel vs. Traditionsstandorte

Ein weiterer Themenschwerpunkt in der RUNDSCHAU-Umfrage ist die Rolle des Online-Handels als Wirtschaftsfaktor, wobei traditionelle Handelsstandorte wie die Innenstädte zunehmend unter Druck geraten.

Klare Meinung der Leser: „Traditionelle Handelsstandorte wird es auch in Zukunft geben. Kunden wollen Ansprechpartner und persönliche Beratung. Ich will mich nicht ausschließlich auf E-Commerce verlassen“, sagen zwei Drittel der Umfrageteilnehmer.

Letztlich wird es auch um die Fachkompetenz der Verkäufer gehen. Persönliche Beratung ist den Lesern auch künftig sehr wichtig (sagen 55 Prozent), auch wenn die virtuelle Beratung wichtiger werde (sagen 25 Prozent).

einkaufswagen neuer pfad
einkaufswagen neuer pfad FOTO: Kirsty Pargeter/Fotolia