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| 10:31 Uhr

Eurovision Song Contest
Lausitzer wünschen sich deutsches Lied beim ESC

Michael Schulte tritt für Deutschland beim ESC an.
Michael Schulte tritt für Deutschland beim ESC an. FOTO: dpa / Jörg Carstensen
Cottbus/Lissabon. Am Samstag steigt das Finale des Eurovision Song Contest in Lissabon. Wer ist qualifiziert? Und was denken die Lausitzer darüber? Die große RUNDSCHAU-Vorschau: Von Bodo Baumert

Man liebt ihn oder man hasst ihn. Der Eurovision Song Contest (ESC) spaltet das Publikum, auch in der Lausitz. Von 465 Teilnehmern der großen RUNDSCHAU-Umfrage sind zwei Drittel interessiert. Zwölf Prozent davon fiebern schon das ganze Jahr dem Ereignis entgehen. Etwa ein Drittel will während der stundenlangen Übertragung immer mal wieder reinschauen, ein weiteres Fünftel am nächsten Tag online nachschauen, wie es ausgegangen ist. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer lehnt den ESC hingegen ab.

Lohnt es sich, in diesem Jahr hinzuschauen? Das erste Halbfinale am Dienstagabend hat zumindest neugierig gemacht. Von kitschig-schlecht bis hitverdächtig war alles dabei. Durchgesetzt haben sich die erwarteten Favoriten, allen voran Netta aus Israel mit dem schrillen K-Pop-Song „Toy“. In ihrem an Manga-Comics erinnernden Kleid lässt sich Vergleiche mit früheren ESC-Höhepunkten wie Verka Serduchka 2007 oder Guildo Horn 1998 aufkommen. Als schrulliges Maskottchen sollte man sie aber nicht abtun. „Toy“ wird bei den Buchmachern bereits als ein Favorit für den Gesamtsieg gehandelt. Mit ihrem Refrain „I’m not your toy. You stupid boy“ trifft Netta den Geist der Zeit rund um die #metoo-Debatte.

Netta singt für Israel
Netta singt für Israel FOTO: dpa / Jörg Carstensen

Auch Mikolas Josef aus Tschechien mit seinen ulkigen Hosenträgern, dem albernen Schulranzen und dem ungewöhnlichen Song „Lie to me“ kann unter die Skurrilitäten des Wettbewerbs gerechnet werden.

Mikolas Josef singt für die Tschechische Republik
Mikolas Josef singt für die Tschechische Republik FOTO: dpa / Jörg Carstensen

Professioneller und trotzdem lebensfroh kommt Österreichs Hoffnung in diesem Jahr daher. Cesar Sampson mit seiner Soulstimme und dem Song „Nobody but you“ strahlt Ruhe und Spaß aus - ganz so, wie es sich die ESC-Fans wünschen.

Cesár Sampson singt für Österreich
Cesár Sampson singt für Österreich FOTO: dpa / Jörg Carstensen

Professionell kommt auch Equinox aus Bulgarien daher. Die zusammengecastete Truppe aus Amerikanern und einheimischen Sängern garniert mit einer zu grell geschminkten Sängerin versucht es mit einem düsteren, abstrusen Titel namens „Bones“.

Zwanghaft auf Erfolg getrimmt ist auch Zyperns Beitrag Eleni Foureira, die wohl nicht zufällig in ihrem Auftritt ein wenig an Beyoncé erinnert. Ihr Titel „Fuego“ aus der Feder des griechisch-schwedischen Songwriters und Produzenten Alex P soll alles vereinen, was das Eurovision-Publikum mag. Am Ende wirkt das dann aber zu steril, wie vieles in diesem ersten Halbfinale.

Eurovision Song Contest FOTO: dpa / Jörg Carstensen

Immerhin: Es gibt einen Trend, nicht mehr nur auf Englisch als Sprache zu setzen. Drei Kandidaten versuchen es im ersten Halbfinale in der eigenen Landessprache, einer schafft den Sprung ins Finale: Eugent Bushpepa aus Albanien. Er bringt sein rockiges „Mall“ – auf Deutsch Sehnsucht – gut auf die Bühne. Die Fans sind begeistert.

Auch Opernsängerin Elina Nechayeva aus Estland hat sich abseits der englischen Sprache bedient - und damit bisher Erfolg. Für ihr Lied „la forza“ hat sie Texte aus italienischen Opern zusammengestellt, garniert mit einem riesigen Kleid, das als Videoleinwand dient. Sieht spektakulär aus – und könnte es auch im Finale weit bringen.

Elina Nechayeva singt für Estland
Elina Nechayeva singt für Estland FOTO: dpa / Jörg Carstensen

Für die Lausitzer Fans wäre auch ein deutsches Lied mal wieder erstrebenswert beim ESC. 60 Prozent wünschen sich in der großen RUNDSCHAU-Umfrage: „Deutsche Teilnehmer sollten auch deutsch singen“. Michael Schulte wird ihnen diesen Gefallen nicht tun. Der diesjährige Starter Deutschlands versucht es mit „You let me walk alone“, einer anrührenden Ballade, die – gepaart mit seinem Auftreten – schon viele Anhänger unter den Berichterstattern in Lissabon gefunden hat. Qualifizieren muss er sich nicht. Deutschland gehört zu den großen Geldgebern der Eurovision und ist damit automatisch für die Show am Samstagabend gesetzt. Das Gleiche gilt für Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

Aber hat Deutschland auch Siegchancen? Nimmt man die Suchanfragen bei Google im Vorfeld des Wettbewerbs als Maßstab, hat Schulte kaum eine Chance. Er schafft es nicht einmal in die Top 10. Alexander Rybak (Norwegen) und Saara Aalto (Finnland) sind deutlich beliebter.

Auch die Lausitzer sind skeptisch. „Der Song ist schön, das könnte klappen“ – das glauben gerade einmal acht Prozent der Umfrageteilnehmer. Skeptisch sind hingegen 30 Prozent, der Rest noch unsicher.

Ein Bild der weiteren Kandidaten können sich die deutschen Zuschauer am Donnerstagabend machen. Dann startet das zweite Halbfinale. Mit dabei ist Geheimfavorit Alexander Rybak aus Norwegen mit seinem „Melodi Grand Prix“. Auch Rasmusen aus Dänemark werden gute Chancen ausgerechnet. Dunkelroter Rauschebart, lange Haaren und schwarze Kutte, dazu ein düsterer Wikinger-Song. das sorgt zumindest für Aufsehen.

Rasmussen starten für Dänemark
Rasmussen starten für Dänemark FOTO: dpa / Andres Putting

Selbst Australien darf diesmal an den Start gehen. Sängerin Jessica Mauboy gilt in ihrer Heimat als australische Beyoncé. Holt die den Wettbewerb im kommenden Jahr nach Down-Under?

Darüber werden auch die politischen Gegebenheiten mitentscheiden. Denn rein nach objektiven Kriterien wird beim ESC ja nie abgestimmt. Nachbarländer schieben sich gegenseitig die Punkte zu. „Natürlich ist der ESC politisch. Da wird es in diesem Jahr wohl keine Punkte aus Russland geben“ finden 79 Prozent der RUNDSCHAU-Umfrage-Teilnehmer.

Wenn sie sich etwas wünschen könnten, dann wäre es mehr Live-Atmosphäre bei den teils doch sehr gekünstelten Auftritten beim ESC. 77 Prozent der Umfrage-Teilnehmer äußern diesen Wunsch. Und da es um Gelder des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geht, wären sie auch für etwas weniger Pomp und Aufwand. „Es könnte ruhig bescheidener zugehen“ wünschen sich 83 Prozent in der Umfrage.