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| 13:46 Uhr

RUNDSCHAU-Umfrage
Lausitzer warten sehr lange auf Termine beim Facharzt

Die medizinische Versorgung zunehmend älterer Menschen stellt vor allem auf dem Land ein immer größeres Problem dar. Das sehen auch die meisten der 1350 Teilnehmer der RUNDSCHAU-Umfrage so.
Die medizinische Versorgung zunehmend älterer Menschen stellt vor allem auf dem Land ein immer größeres Problem dar. Das sehen auch die meisten der 1350 Teilnehmer der RUNDSCHAU-Umfrage so. FOTO: Benjamin Ulmer / dpa
Cottbus. Die Lausitzer müssen meist sehr lange auf einen Termin bei einem Facharzt warten. Teilweise mehrere Monate dauert es, bis sie behandelt werden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1350 Lesern. Von Rüdiger Hofmann

Jeder Fünfte muss mehrere Wochen, jeder sechste sogar mehrere Monate auf einem Facharzttermin in der Lausitz warten, wie aus der jüngsten Umfrage unter rund 1350 Teilnehmern hervorgeht. Das liege zum einen am Personalmangel der Ärzte – auch bedingt durch fehlende Unternehmensnachfolgen – zum anderen an der immer größer werdenden Zahl älterer und kranker Menschen.

Mehr als fünfmal im Jahr suchen die befragten Lausitzer einen Arzt auf. Dieser hat seine Praxis bei rund der Hälfte der Befragten in einer Entfernung von rund fünf Kilometern oder mehr. Daher nutzen die meisten der Umfrageteilnehmer auch das Auto, um ihn aufzusuchen. „So lange man in der Lage ist, mit dem Auto zum Facharzt zu fahren und auch die Kosten tragen kann, ist das Facharztproblem lösbar“, sagt ein Leser. „In dem Moment aber, wo dies nicht mehr gegeben ist, ist man verloren“, sagt der Leser.

Fehlende medizinische Versorgungseinrichtungen

Ältere Menschen könnten oft keine Internetsprechstunde besuchen und würden einen vertrauten Ansprechpartner bevorzugen. „Angesichts der demographischen Entwicklung besteht wohl nur im Aufbau konzentrierter medizinischer Versorgungszentren eine Chance, dieses Problem zu lösen. Anderenfalls würden die Krankenhäuser kollabieren, so ein Leser.

Bei der Umfrage wurde das besonders deutlich: Es fehlt vor allem im ländlichen Bereich an medizinischen Versorgungszentren, sagen 76 Prozent. „Möglichst viele Fachärzte unter einem Dach – wie beim System der Polikliniken in der DDR – das wäre wünschenswert“, sagt eine Leserin. „Um bei notwendigen Überweisungen von einem Arzt zum anderen kurze Wege zu haben“, so die Leserin. In Anbetracht immer älter werdender Patienten und immer länger werdender Wartezeiten sei dies von großem Vorteil.

Jeder Vierte sagt, es fehle in der Region vor allem an Augenärzten. Bei ihnen dauere es auch am längsten, um einen Termin zu bekommen, wird in der Umfrage deutlich. An zweiter Stelle vermissen die Lausitzer genügend Hautärzte, gefolgt von Kardiologen. An vierter Stelle stehen Orthopäden.

Ärztemangel, was nun?

Doch was kann gegen den Ärztemangel in der Lausitz getan werden? „Bessere Anreize für junge Ärzte nach der Ausbildung durch Hilfen bei der Übernahme von Praxen und der Ausbildung als Hausarzt oder als Allgemeinmediziner“, sagen 20 Prozent der Befragten. „Nach dem Studium müssen die Ärzte für mehrere Jahre verpflichtet werden, an Schwerpunkten zu arbeiten“, sagt jeder Zehnte.

Eine bessere Vergütung der kassenärztlichen Leistungen und eine bedarfsgerechte Aufschlüsselung der Niederlassungen entsprechend der vorhandenen Alterstruktur führen einige Leser ebenfalls ins Feld. Andere fordern die Etablierung einer medizinischen Fakultät in der Lausitz, eine optimierte Personal- und Terminplanung der Ärzte, ein attraktiveres Umfeld für die Neuansiedlung von Ärzten oder eine umfassende Reform des Gesundheitswesens. „Der Ärztemangel ist nur durch politische Entscheidungen zu beheben“, sagt eine Leserin. Solange für alle Ärzte die gleichen Budgetvoraussetzungen gelten, sei eine Praxis in Städten gegenüber denen auf dem Land immer im Vorteil, weil dort mehr Menschen leben und die Praxen besser besucht würden. „Den Ärzten auf dem Land muss mehr Budget zur Verfügung gestellt werden“, fordern rund 15 Prozent der Umfrageteilnehmer. Die Debatte um einen Ärztenotstand in der Lausitz empfinden knapp 80 Prozent als absolut gerechtfertigt und nicht als Panikmache.

Stadt versus Land

Auf die allgemeine Frage, ob sich der Lausitzer in der Region gut verarztet fühlt, sagen 43 Prozent: „Ja, aber nur in den Städten.“ Erschreckend: Jeder Dritte bezeichnet die Situation als „katastrophal“ - sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. In den Krankenhäusern der Region fühlen sich rund 40 Prozent „teilweise gut versorgt“. Die Gesundheitspolitik für die Lausitz wird als mittelmäßig bezeichnet. „Wenn die Politik (Bund und Land) nicht endlich die gesetzlichen Grundlagen ändert, wie den Numerus clausus abschaffen, mehr Studienplätze schaffen oder eine bessere Absolventenlenkung, wird es auch keine Verbesserung geben“, sagt ein Umfrageteilnehmer. Und eine andere Leserin meint: „Immer mehr Ärzte gehen in Rente, Praxen müssen geschlossen werden, kein Arzt nimmt neue Patienten auf und seitens der Politik passiert nichts, obwohl das Problem seit Langem bekannt ist.“