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| 17:21 Uhr

RUNDSCHAU-Umfrage
Der Lausitz fehlt es an Sponsoren

Springermeeting in Cottbus. Laut RUNDSCHAU-Umfrage fehlt es in der Region an Sponsoren, um Talente langfristig an die Region zu binden.
Springermeeting in Cottbus. Laut RUNDSCHAU-Umfrage fehlt es in der Region an Sponsoren, um Talente langfristig an die Region zu binden. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Ohne ausreichend Gelder können Sporttalente nicht langfristig in der Lausitz gehalten werden. Das ist das Ergebnis einer RUNDSCHAU-Umfrage unter 1300 Lesern. Rüdiger Hofmann

Cottbus und die Lausitz, das waren über viele Jahre echte Hochburgen in Sachen Leistungssport. Nicht nur das wundersame Fußballmärchen des FC Energie mit dem Aufstieg bis in die 1. Bundesliga 1997, sondern auch die Turner, die Radsportler, die Handballer, Boxer oder Leichtathleten waren erstklassig und konnten mit Spitzenleistungen für Furore sorgen.

Das Bild hat sich in den vergangenen Jahren aber stark verändert. Der FC Energie rutschte inzwischen in die 4. Liga ab, die Handballer vom LHC konnte aus wirtschaftlichen Gründen den Aufstieg nicht wahrnehmen. Die Lausitzer RUNDSCHAU hat in ihrer aktuellen Umfrage rund 1300 Leser befragt, wie wichtig der Spitzensport für die Lausitz ist - und wie man ihn wieder aus der Talsohle holen kann. Wir wollten wissen, was der Lausitz fehlt, um Nachwuchstalente im Laufe ihrer Karriere in der Region halten zu können?

Die aktuelle Situation im Lausitzer Leistungssport bewerten die Leser allgemein als gut. "Es sind positive Tendenzen zu erkennen, die Hoffnung auf neue Erfolge machen", sagen rund 40 Prozent. 76?Prozent der Umfrageteilnehmer finden es wichtig, dass die Lausitz Topsportler hat, die regelmäßig internationale Medaillen gewinnen. Ein starkes nationales oder regionales Abschneiden einer Lausitzer Mannschaft lässt das Sportlerherz der Befragten ebenfalls höher jubeln - sagen mehr als 50 Prozent. "Für das Image und die Vermarktung einer Region ist es wichtig, dass sie regelmäßig von Top-Sportlern bei internationalen Wettkämpfen vertreten wird", sagt eine Leserin.

Generell interessieren sich die Leser vor allem für sechs Leistungssportarten in der Region: Fußball mit Energie Cottbus in der Regionalliga, Eishockey mit den Lausitzer Füchsen in Weißwasser, Leichtathletik mit dem Internationalen Springermeeting in Cottbus, Motorsport auf dem Lausitzring bei Senftenberg mit der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft, dem Red Bull Airrace oder dem ADAC GT Masters, sowie Turnen und Radsport unter dem positiven Einfluss eines Olympiastützpunktes.

Apropos Energie Cottbus: Mehr als 50 Prozent würden öfters in das Stadion der Freundschaft zu Heimspielen des FC Energie gehen, wenn der Verein wieder in der 1. oder 2. Liga spielen würde. Die Stadt Cottbus und das Land Brandenburg sollten den FC Energie Cottbus strukturell und finanziell stärker unterstützen, fordern fast 60 Prozent der Leser. Ob der Verein mit seinem großen Sponsoring-Bedürfnis eine Belastung für die kleineren Vereine in der Region ist, können die meisten nicht beurteilen. Einige Leser aber vermuten, dass durch eine zu starke Fokussierung auf einen großen Verein wie Energie die kleineren Vereine auf der Strecke bleiben. "Eine bessere Verteilung der Gelder auf andere Vereine sollte erfolgen", sagen einige Kritiker.
Diskutiert wurde in der Umfrage auch das Thema Talenteförderung. Die Mehrzahl der Umfrageteilnehmer ist der Meinung, die Lausitzer Sportschule müsse attraktiver gemacht werden, um Talente in die Region zu locken.

Doch was fehlt der Region am ehesten, um diese Talente auch halten zu können? Topantwort: Sponsoren. Ohne leistungsfähige Sponsoren sei Spitzensport nicht zu etablieren - auch nicht beim Aufbau moderner Trainingszentren. "Sportstätten müssen in der Spitze und Breite auf hohem Niveau gehalten werden", so eine Leserin. Hinzu kommen Ausbildungsbetriebe oder Arbeitsstätten, die den Leistungssport unterstützen sollten, sagt jeder Dritte. "Weitere Voraussetzungen sind moderne Trainingsstätten, hochqualifizierte Trainer und ein System, welches gute Wettkampfbedingungen anbietet, in dem sich der Sportler verwirklichen kann. Hier muss das Rad nicht neu erfunden werden, die Voraussetzungen und Bedingungen im DDR-Leistungssport waren nahezu ein Garant für Spitzenleistungen", sagt ein Leser. Diese Spitzenleistungen würden dann auch von der Wirtschaft honoriert, wenn der Verein oder der Sportler in der Lage ist, sich positiv zu vermarkten. "Genau hier fehlt es aber den meisten Vereinen", sagt ein Leser.

Andere wollen, dass eine Förderung so früh wie möglich, also schon in Kita oder Schule, beginnt, und dass es mehr Anreize für künftige Leistungssportler gibt. "Es muss mehr Kinder- und Jugendnachwuchsarbeit geben, damit aus den eigenen Reihen Nachwuchs wachsen kann", so eine Leserin. Geld für Nachwuchsarbeit sei besser angelegt, als Sportler teuer von anderen Vereinen zu kaufen. Doch auch für die Trainer sollte sich Nachwuchsarbeit künftig mehr lohnen. "Profivereine müssen viel mehr in die kleinen Vereine und Schulen gehen und Talente suchen. Das ist zwar eine mühselige Arbeit, aber sie lohnt sich! Nicht jedes Talent meldet sich selbst", sagt ein Leser. Eine gezielte Talenteförderung mit Sponsoring, Motivation durch die Medien, attraktiven Preisen und Stipendien werden in diesem Zusammenhang genannt. Zudem müsse die Attraktivität der Lausitz noch stärker beworben werden.