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| 02:43 Uhr

Lausitzer wollen einheitliches Bildungssystem

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Cottbus. Bildung ist in Deutschland derzeit Ländersache. Das sollte sich künftig ändern, sagt die Mehrheit der rund 500 befragten Lausitzer. Die aktuelle RUNDSCHAU-Umfrage zum Schulstart hat ergeben: Ein einheitliches Abitur soll her. Rüdiger Hofmann

Der Bund sollte künftig im Schulbereich und bei der Bildungspolitik eine größere Rolle spielen als bisher. Dafür haben sich bei der aktuellen RUNDSCHAU-Umfrage zum Schulstart mehr als 90 Prozent der Leser ausgesprochen. Weg vom föderalen System, hin zu einer zentralen Struktur - zumindest im Bereich Bildung. Gewünscht wird unter anderem ein zentrales Abitur.

Viele Begründungen der Leser gehen in die gleiche Richtung: Zentrale Bildung bedeutet Vereinheitlichung und Kostenersparnis. Zudem werde in allen Bundesländern der gleiche Lernstoff vermittelt. Die Vielzahl an unterschiedlichen Unterrichtsmaterialien würde entfallen. Man könne überall den gleichen Maßstab auch bei Prüfungen ansetzen und identische Lehrpläne zusammenstellen. "Ein erfolgreiches Land braucht ein einheitliches Bildungssystem. Wir sprechen von Globalisierung, praktizieren aber auf diesem wichtigen Gebiet Kleinstaaterei", schreibt eine Lausitzerin.

Ein weiteres Argument für eine zentral vom Bund gesteuerte Bildungspolitik: Abschlüsse würden überall anerkannt. Hinzu komme die Flexibilität bei Schulwechseln der Kinder in andere Bundesländer.

Sachsens Kultusministerium hält dagegen: "Der Ruf nach Zen-

tralisierung bringt noch keine Verbesserung. Wir sind überzeugte Föderalisten und haben in Sachsen unsere Verantwortung genutzt", sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Die Bürger würden aber zu Recht eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse und gemeinsame Prüfungen erwarten, damit die Schulpolitik der Mobilität nicht entgegenstünde. "Um die Akzeptanz des föderalen Bildungssystems bei den Bürgern zu stärken, müssen die Länder noch enger zusammenarbeiten", so das sächsische Kultusministerium. Schon jetzt gäbe es viele gemeinsame Projekte im Bereich der Berufsorientierung. Die Zahlen der Schüler ohne Abschluss konnten verringert werden. Auch beim länderübergreifenden Abitur zeigten die Länder, dass im föderalen Bildungssystem mehr Gemeinsamkeiten und mehr Vergleichbarkeiten möglich sind.

Neben dem Bildungssystem hat ein weiteres Thema die Leser sehr bewegt: die Frage nach einer Fremdsprache schon ab der ersten Klasse. Etwa zwei Drittel sind dafür - die meisten plädieren für Englisch. Eine frühzeitig erlernte Fremdsprache sei gut für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Außerdem hätten es zweisprachig aufgewachsene Kinder später leichter im Berufsleben, sagen viele Umfrageteilnehmer. Erstklässler seien in der Lage, in meist noch spielerischer Form eine Sprache zu erlernen. Hinzu komme, dass Fremdsprachen heutzutage eine Grundvoraussetzung seien, um später auf den Folgeschulen, der Universität oder in der Arbeitswelt erfolgreich zu sein - und da könne man nicht früh genug damit anfangen.

Gegenstimmen sehen aber Kinder in diesem jungen Alter mit einer Fremdsprache überfordert. Sie sollten lieber zuerst die Grundlagen wie Rechtschreibung und Grammatik der deutschen Wort- und Schriftsprache erlernen und beherrschen, so die Leser. In der ersten Klasse ströme zu viel Neues auf die Knirpse ein. Man sollte sie daher nicht gleich überfordern.

Bei der Frage nach dem Alter der Kleinen bei der Einschulung sind sich die Lausitzer einig: Fast alle sind für Einschulungen mit sechs, nicht schon mit fünf Jahren. "Man sollte die sorgenfreie Kinderzeit nicht einfach verkürzen. Der stressige Alltag mit dem Leistungsdruck kommt noch früh genug", so ein Leser.

Wenn die Lausitzer ein neues Schulfach ins Leben rufen könnten, plädieren viele für Wirtschaft und Soziales, Rhetorik, Heimatkunde oder Recht. Einige würden ein Fach "Umgangsformen/Knigge" einführen. Abschaffen hingegen würden die meisten das Fach Ethik beziehungsweise Religion.

Zum Thema:
Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat ein Umfrage-Center ins Leben gerufen, um mehr über die Gewohnheiten der Lausitzer und deren Meinung zu wichtigen Themen der Region zu erfahren. Abrufbar ist es unter umfrage.lr-online.de. Mit der Teilnahme an Befragungen können wertvolle Prämienpunkte gesammelt und gegen Einkaufs-Gutscheine eingetauscht werden. Das Mitmachen ist kostenlos: Man lässt sich einmalig über eine Basisumfrage registrieren, erhält ein Passwort und ist exklusives Mitglied. Die Registrierung erfolgt unter umfrage.lr-online.de. Aufgepasst: Für alle, die sich bis zum 30. September für die Basisumfrage freischalten, gibt es einen Punktebonus von zehn Punkten.