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Wir ruinieren die Natur mit Überproduktion

Wir ruinieren die Natur mit Überproduktion Helmut Donath aus Luckau schreibt zu "Bundestags- und andere Stadtbienen produktiver als ihre ,Kolleginnen' auf dem Lande" (LR vom 2. Januar): Dass es den Honigbienen in der Großstadt besser geht als auf dem Land, überrascht heute nicht mehr.

Es zeigt lediglich erneut die Tatsache auf, dass die hochsubventionierte Landwirtschaft heute auf Agrarwüsten stattfindet. Wir beziehen den größten Teil unserer Lebensmittel nicht mehr aus einer Kulturlandschaft, sondern von indus trialisierten Flächen, auf denen kein produktionsfremdes Leben mehr erwünscht ist. Dass Ackerboden zu einem Viertel aus organischen Bestandteilen einschließlich Organismen besteht, wie ich es einmal in der Lehrausbildung gelernt habe, scheint in der konventionellen Landwirtschaft nicht mehr von Interesse zu sein. Der Rückgang der Honigbiene steht ja nicht allein. Es gibt in Deutschland inzwischen Äcker, über denen im Frühling nicht mehr das Lied der Feldlerche zu hören ist. Rebhühner sind vielerorts ausgestorben, der Feldhamster steht kurz vor dem gänzlichen Erlöschen. Langjährige Zählungen von Brutvogelarten zeigen, dass es den Bewohnern der Agrarlandschaft besonders schlecht geht. Bei den Hummeln als bekanntesten Vertretern der Wildbienen ist ein Bestandsrückgang von über 80 Prozent festgestellt worden. (. . .) Müssen wir unsere Böden ruinieren, das Grundwasser gefährden, Bienen vergiften und einen stummen Frühling provozieren, um den Hunger auf der Erde zu besiegen? In der Realität nutzt die Überproduktion durch Preisverfall weder den Landwirten noch den Menschen in Entwicklungsländern. Wir werfen einen viel zu großen Teil der erzeugten Nahrungsmittel weg, und mit billigem Fleisch aus EU-Ländern ruinieren wir Bauern in armen Ländern (und erzeugen neue Fluchtursachen!). Als Steuerzahler finanzieren wir über die Agrarförderung diese nicht nachhaltige Landnutzung und werden dann von den Discountern mit Schleuderpreisen dafür belohnt.

Warum nicht mit Russland reden?

Sebastian Rotenhan aus Felixsee schreibt zum Kommentar "Suchen ohne zu finden" (LR vom 9. Januar):

Es gibt Probleme, mit deren Lösung der demokratische Rechtsstaat überfordert ist. Hierzu gehört die Errichtung eines Endlagers für Atommüll, denn (. . .) es will keiner ein Endlager vor seiner Haustüre haben. Gorleben beschäftigt uns bekanntlich seit Jahrzehnten. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, außerhalb Deutschlands auf die Suche zu gehen. Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich vorsichtigen Kontakt zum Beispiel mit Russland aufnehmen, um zu erfragen, wie man dort dieses Problem zu lösen gedenkt. In den unendlichen Weiten Sibiriens gibt es doch zweifellos geeignete Standorte. Sollte sich ein solcher finden, würde ich in Verhandlungen mit Russland eintreten und zum Beispiel vorschlagen, dass Deutschland die Kosten für die Errichtung des Lagers übernimmt, in dem auch der russische Müll untergebracht werden kann. Bei der klammen wirtschaftlichen Lage, in der sich Russland befindet, kann ich mir kaum denken, dass diese Anregung auf taube Ohren stieße. Dass das alles viel Geld kosten wird, weiß jeder, aber für beide Länder wäre dies zweifellos eine "win-win situation".

Angst vor diesem Möchtegern-Zaren

Lutz Kerstan aus Biebersdorf reagiert auf eine Lesermeinung unter der Überschrift "Von wegen ,Hort des Friedens'" (LR vom 28. Dezember:

(. . .) Diese Zeilen heben sich wohltuend von denen ab, die man sehr oft liest und sicher ausnahmslos von Absolventen der Kreis- oder Bezirksparteischulen der SED stammen. Das damals gelehrte Hauptfach hieß: "Geschichtsfälschung und bedingungslose Verherrlichung allen Unrechts des Kommunismus". Verständlicherweise haben heute die Völker Polens, des Baltikums, Finnlands und Teile der ehemaligen UdSSR Angst vor diesem Möchtegern-Zaren im Kreml. Es ist von diesen Staaten gewollt, dass die Nato Präsenz zeigt und so verhindert, dass es ähnliche "Überraschungen" wie Krim oder Ost-Ukraine gibt."

Deutschland sollte sich heraushalten

Helmut Wolf aus Guben schreibt zu "Abschreckung oder Provo- kation?" (LR vom 6. Januar):

(. . .) Wenn schon die baltischen Staaten und vor allem Polen die Konfrontation mit dem russischem Nachbarn vorziehen anstatt zu einer Verständigung zu kommen, die ein dauerhaftes friedliches Miteinander beinhaltet, sollte sich unser Land heraushalten und fordern, dass die Truppen der Nato in den baltischen und polnischen Häfen ausgeladen werden. Unsere Straßen sind schon genug belastet, und wer bezahlt die zusätzlichen durch Militärtransporte entstehenden Kosten? Die Kernfrage ist aber: Hilft eine Truppenkonzentration an der Grenze wirklich, den Frieden zu sichern?