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| 23:03 Uhr

Leserbrief
Wiedersehen nach einem halben Jahrhundert

Feierten Wiedersehen nach einem halben Jahrhundert: Dieter Donath und Kurt Ahlhelm.
Feierten Wiedersehen nach einem halben Jahrhundert: Dieter Donath und Kurt Ahlhelm. FOTO: privat
„Grüß mir Herzberg“ Von Dieter Donath aus Herzberg

Ja, liebe Leser, Sie lesen richtig. So lange hat es gedauert, bis ich den Menschen wieder gefunden habe, der unser Leben zur damaligen Zeit sehr verändert hat. Wie kam es zum Wiedersehen nach so einer langen Zeit und wer ist der Mann auf dem Foto? Kurt Ahlhelm betreute vor rund fünfzig Jahren eine Jugendgruppe hier in Herzberg mit dem Namen „Jungschar“. Einmal in der Woche trafen wir uns im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde unter der Linde auf dem Hof oder – wo es am schönsten war – über den Dächern von Herzberg im Albert-Schweizer-Zimmer des Kirchturmes. Wir, Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren, trafen uns damals jeden Freitag um 17 Uhr mit Kurt Ahlhelm. Jedes Mal waren wir gespannt, was er für uns vorbereitet hatte. Manches Mal waren es spannende Geschichten, die er erzählte, oder es wurde der Dia- filmbetrachter aufgebaut und er zeigte uns Märchen und Kinderfilme. Natürlich war es schon damals etwas Besonderes, auf dem Rundgang der Kirche zu gehen und meine Heimatstadt von oben zu sehen. Auch wurde öfters gesungen, wofür Kurt seine Gitarre mitbrachte und uns unter der Linde auf dem Gemeindehof begleitete.

So vergingen die Jahre und irgendwann trennten sich unsere Wege, da er von Herzberg weg zog und in die Fremde ging. Immer war es mein Wunsch gewesen, ihm noch einmal im Leben zu begegnen, da er immer für uns da war und mit Rat und Tat zur Seite stand. So forschte ich jahrelang nach ihm, ohne eine Spur zu finden – und langsam gab ich die Hoffnung auf. Der Zufall wollte es, dass ich in einem Gespräch die Suche nach diesem Menschen erwähnte. Mein Gegenüber sagte nur,  „rufe mal diese Nummer an“, was ich auch dann tat. Am anderen Ende der Leitung ertönte eine Stimme, die ich kannte. Es war die von Kurt. Ein Traum hatte sich erfüllt und bei diesem ersten Kontakt gab es natürlich sehr viel zu erzählen.

Ich erfuhr von ihm, dass er jetzt in Berlin mit seiner Frau lebt. Wir versprachen uns, wenn es irgendwie klappt, uns dort zu treffen. Es war schon ein tolles Gefühl, nach so einer langen Zeit den Menschen zu finden und jetzt sogar am Telefon  seine Stimme zu hören.

Ende 2017 war es dann soweit: Wir wollten unseren Sohn in Berlin besuchen und dabei einen Abstecher zu Kurt machen. An einem Samstag fuhren wir (meine Frau und ich) dann in Richtung Hauptstadt und trafen gegen 10 Uhr bei ihm zu Hause ein. War das eine große Freude, ihm nach so einer langen Zeit gegenüber zu stehen! Bei Kaffee und Gebäck kamen wir ins Gespräch und schwärmten von der damaligen Zeit. Wir schauten uns gleich noch die Kirche an, die durch den Garten schnell erreichbar war. So vergingen die Stunden viel zu schnell und es hieß Abschied nehmen. Mit einem „Auf Wiedersehen“ trennten sich unsere Wege mit dem Versprechen: „Wir sehen uns wieder!“

Nur dieses Mal sollte es nicht mehr so viele Jahre dauern.  Und so hoffen und wünschen wir uns, uns 2018 wieder zu begegnen. Seine Abschiedsworte an mich gerichtet, die er mir mit auf dem Weg gab, waren: „Grüß mir Herzberg“ – was ich hiermit tun möchte.