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| 19:08 Uhr

Lesermeinung
Weiter so und viele Konjunktive

Zu den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen Von Joachim Lehmann

Auf die von allen Seiten im Vorfeld so wichtig hingewiesenen Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen sind vorüber und wieder ist man auf allen Ebenen vom Ergebnis nicht so recht glücklich, ja teilweise regelrecht erschrocken. Nach dem sich anschließenden Wundenlecken überbieten sich Politiker und Parteienforscher aller Couleur wie immer mit unterschiedlichen Analysen und jeder bemüht sich, mit eigenem Urteil die Ursachen dieses Wahlausganges festzustellen. Es wird – wie stets – der vorherige Wahlkampf gelobt, man prüft mögliche Koalitionen, führt Sondierungsgespräche, stellt fest, daß es ein „Weiter so“ nicht geben kann und verteilt die begehrten Posten in einer neuen Regierung.

Wertet der aufmerksame Wahlbürger die Sprache der Politiker, beginnend am Wahlabend am Stehtisch und sich fortsetzend in der weiteren parlamentarischen Arbeit, so stellt er fest, dass in allen Aussagen unserer Volksvertreter wie bisher sprachlich der Konjunktiv (die Möglichkeitsform) wie: „Wir hätten, wollten, möchten, sollten, würden, könnten, müssten“ und so weiter dominiert. Keiner will sich mehr festlegen und so könnte man meinen, die BRD befindet sich, nach Wegen suchend, in einer Gestaltungsphase ihrer Gründung und nicht im 70. Jahr des Bestehens ihres Grundgesetzes, welches ja in diesem Jahr seine besondere Würdigung erfahren hat.