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| 18:54 Uhr

Lesermeinung
Wasserstoff statt Lausitzer Kohle

Energie der Zukunft

Zur Lesermeinung „Fachliche Unkenntnis - Korrektur zu Energiefragen“ (LR, 21./22. April): Leider arbeitet sich Herr Rasim (...) an alten Zöpfen ab, die schon lange widerlegt sind. So steht mit der vorhandenen Gasinfrastruktur ein Langzeitspeicher mit einer Größe von circa 200 000 Milliarden kWh zur Verfügung und ließe eine Stromproduktion von circa 80 Milliarden kWh zu. Eine landesweite Dunkelflaute, die noch im Januar 2017 aus Kohle- und Atomstrom mit circa 11,5 Milliarden kWh ausgeglichen wurde, ließe sich somit ohne weiteres durch Gas ausgleichen! Insofern wäre die Speicherfrage mathematisch geklärt. Würde hier erneuerbares Gas zum Einsatz kommen, wird die Umstellung die Energieeffizienz von der fossilen Kette „Tagebau-Kraftwerk-Strom“ mit Wirkungsgrad von circa zehn Prozent  auf Systeme wie „Wind-Solarstrom-Gas-Strom“ mit circa 30 Prozent signifikant verbessern. Diese Effizienzsteigerung bedeutet auch einen Standortvorteil der Lausitz im Wettbewerb der Regionen! Wenn Herr Rasim sein stures Festhalten am Status quo mit einer DPG-Studie aus der Mottenkiste des Jahres 2010 (vor Fukushima!) begründet und verdrängt, dass innovative Braunkohleverstromungstechnologie im Jahr 2005 fast ein Lausitzer Stadtwerk in die Insolvenz gerissen hätte – sollte er den von ihm geschätzten ehemaligen DPG-Präsidenten Albert Einstein kennen. Einstein sagt: „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.“

Ich selbst habe in der Kohleveredlung gelernt und den Niedergang der Brikettfabriken in den 90er-Jahren erlebt. Jedem Fachmann ist bekannt, dass die Energiewirtschaft marktwirtschaftlich geprägt ist und die Kohle in den 90er-Jahren den Wettbewerb im Wärmemarkt verloren hat. Im Strommarkt, welcher vor 20 Jahren liberalisiert wurde, steht die Kohle trotz Atomausstieg unter Druck. Der Ausstieg und günstige wirtschaftliche Bedingungen wie billige CO2-Preise durch eine Schwemme von Zertifikaten werden jedoch nicht von Dauer sein. Da andere Regionen nicht schlafen, ist zu hoffen, dass die hiesigen Entscheidungsträger solche rückwärtsgewandten Beiträge mit wirren Zahlenspielen (1350 Pumpspeicherkraftwerke Typ „Goldisthal“) richtig einordnen. Für zukunftsfähige Konzepte in der Lausitz muss der Energieträger Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen. Seine Herstellung wie auch seine vielfältige Veredlung besitzt industrielles Potenzial, welche zu zukunftsfähigen Arbeitsplätzen führt. Im Übrigen stellt sich Herr Rasim sein eigenes Zeugnis aus, indem er den „Energiemanager des Jahres 2017“ und Vorsitzenden der Geschäftsführung des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz in seinem Beitrag als „ nachweisbar (!) energietechnischen Dilettanten“ bezeichnet.

Thomas Adam
Schwarzheide