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| 19:12 Uhr

Lesermeinungen
Gemeinsam statt gegeneinander

„Serbski sejm“ sollte auf Zusammenarbeit setzen

Zum LR-Beitrag „Minderheit betritt politisches Parkett“ vom 5. November: Der Artikel zur Initiative „ Serbski sejm“ ist sehr einseitig und damit zum Teil leider irreführend. Die sorbische Initiative „Serbski Sejm“, die für sich beansprucht, eine sorbisches (wendisches) Parlament gegründet zu haben, ist eine eher kleine Gruppe von Aktiven aus der Ober- und Niederlausitz, die mit 1,5 Prozent der geschätzten 60 000 sorbischen Menschen eine Abstimmung durchgeführt hat.

Das ist natürlich legitim, aber damit keineswegs auch repräsentativ für das sorbische Volk. Die Entstehungsgeschichte dieser Initiative ist eher eine Art Gegenbewegung zur bisherigen Struktur der Vertretung des sorbischen Volkes durch die Sorbenräte der Landesparlamente, durch die Domowina – mit vielen Ortsgruppen und etwa 6000 Mitgliedern – und durch sorbische Vertreter/innen in der Stiftung für das Sorbische Volk.

Deshalb besteht mit dieser Initiative leider auch die Gefahr, dass das kleine sorbische/wendische Volk gespalten wird. Das wäre schade, denn die Mitglieder der Initiative sowie die jetzt gewählten Personen des „Serbski sejm“ sind auf jeden Fall ebenfalls positiv für die sorbische/wendische Sache engagiert.

Das alles hätte eine journalistisch ordentlich recherchierte Berichterstattung durch wenige Nachfragen in den sorbisch/wendisch geprägten Dörfern oder bei der Domowina leicht herausbekommen. Es hätte auch gezeigt, dass die sorbische/wendische Minderheit mit ihren vielfältigen Vertretungen schon immer auf dem politischen Parkett zu Hause war. Ohne Zweifel kann das an manchen Stellen durch stärkere Präsenz optimiert werden.

Es ist zu hoffen, dass die Initiative „Serbski sejm“ sich in Zukunft um Gemeinsamkeit bemüht und nicht – mit dem Selbstverständnis, das ganze sorbische/wendische Volk zu repräsentieren – die Zusammenarbeit mit vorhandenen Strukturen erschwert oder gar unmöglich macht.

Noch eine kleine Anmerkung: Im Kasten des Artikels ist von einer „deutschen Minderheit“ die Rede, das ist mindestens missverständlich. Das sorbische Volk, einschließlich derer, die sich in deutscher Sprache „Wenden“ nennen, ist eine westslawische Minderheit in Deutschland.

Karl Fisher, Cottbus, Mitglied der Domowina Niederlausitz