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| 16:56 Uhr

Lesermeinung
Vieles muss selbst bezahlt werden

Doppelt belastete Pflegende

Zu „Wieder mehr Geld für Heimplatz“ (LR, 6. März): Dieser Artikel spricht vielen Bürgern aus dem Herzen. Pflegebedürftige, deren Angehörige, selbst Beschäftigte aus der Pflegebranche können die „Finanzierungspolitik der Pflege“ nicht mehr nachvollziehen. Ein Staat hat Verantwortung für die Menschen, welche in seinem Land leben. Das ist im Grundgesetz verankert.

Aber so zähflüssig, wie die Verhandlungen zur Groko liefen, so zähflüssig ist auch die Politikarbeit – empfinden jedenfalls viele unserer Bürger. Das Ministerium, welches die Pflege in seiner Verantwortung hat, scheint die Realität nicht wirklich zu kennen.

Obwohl die Pflegeversicherungsbeiträge wie die Krankenkassenbeiträge bei Einkommensänderungen sofort angepasst werden, bleiben die Zuzahlungen zur Pflege, übrigens nach Pflegegrad und ambulanter oder stationärer Pflege gestaffelt, auf dem alten Stand, keine Erhöhung der Leistung. Angehörige, welche den Eigenanteil ihres zu pflegenden Familienmitgliedes selber zahlen, weil dessen Einkünfte nicht ausreichen, sind dafür noch doppelt belastet. Denn ihre eigenen „Fixkosten“ steigen ja ebenso im Verhältnis zu ihren eigenen Einkommenserhöhungen. Wovon sollen diese dann noch Geld übrig haben für ihre eigene Altersvorsorge? (...)

Was noch keiner erwähnt hat, ist die Tatsache, dass Pflegebedürftige zu ihrem Eigenanteil noch zusätzliche Belastungen tragen müssen. So werden viele der benötigten Medikamente, von den Kassen vorgeschrieben, nur noch auf „grünen Rezepten“ verordnet (also Selbstzahler). Fußpflege, ab und zu mal Frisör, Produkte für die eigene Körperpflege und Hygiene, mal neue Unterwäsche und auch mal an einer Kulturveranstaltung teilhaben, bis hin zur Zuzahlung für die Fahrt zum Facharzt. Das alles geht vom zustehenden Taschengeld eines Pflegebedürftigen noch weg – was bleibt? Bei vielen nichts.

Ist das die Würde, die jedem zusteht? In welchem Traumland leben die Verantwortlichen, welche solche Verfügungen zulassen und diese Tatsachen „schönreden“? Dies ist nicht im Sinne der Bürger und der Wähler der Parteien. (...)

Die politisch Verantwortlichen sollten endlich ihrer Verantwortung gerecht werden, nicht nur von ihren Vorhaben reden, sondern handeln, jetzt gleich und nicht vier lange Jahre bis zum Ende ihrer Wahlperiode.

Hannelore Köhler
Lübbenau