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| 17:01 Uhr

Lesermeinung
Verteilungskämpfe unter Armen

Kritik an Essener Tafel

Die Essener Tafel steht in der Kritik, weil sie keine neuen Flüchtlinge mehr in ihr Versorgungsprogramm aufnehmen will. Ja, man kann das kritisieren, doch mit einem großen Aber. Das beginnt mit der beschämenden Tatsache, dass die ehrenamtlichen Tafeln die katastrophale Sozialpolitik der vergangenen Bundesregierungen im reichen Deutschland ausbügeln müssen. Wie weit ist dieses Deutschland bei der Wahrnehmung seiner Fürsorgepflicht gegenüber seinen Bürgern gesunken, wenn jedes fünfte Kind arm, jede dritte Alleinerziehende von Armut bedroht ist und doppelt so viele Rentner wie vor zehn Jahren an den Tafeln Schlange stehen? Wir sind soweit gesunken, dass es zu Verteilungskämpfen unter den Armen kommt. Wir sind soweit gesunken, dass die Tafeln als normal angesehen werden. Im (...) Koalitionsvertrag der neuen Groko ist von alldem keine Rede. Es kann also nur noch schlimmer werden.

Philipp Höhne
Gablenz