| 02:38 Uhr

Verständnis für Kunst, nicht fürs Säbelrasseln

Verständnis für Kunst, nicht fürs Säbelrasseln Gustav Bekker aus Elsterwerda schreibt zu "Fast geschenkt: Dame mit Hermelin" (LR vom 7. Januar): Es ist schon gewinnbringend für den Leser, dass die LR nicht nur über den amerikanischen Panzereinmarsch in Polen berichtet, sondern uns auch mit Berichten zur polnischen Nationalkultur erfreut.

Ja, "Die Dame mit dem Hermelin" von Leonardo da Vinci kommt nicht zur Ruhe. Das Gemälde, das im Jahre 1800 Fürst Adam Jerzy Czartoryski in Italien erwarb, durchlebt eine äußerst turbulente Geschichte. Der Fürst schenkte es seiner Mutter, der Fürstin Izabela Czartoryska , die 1801 in Pulawy (Ostpolen) das erste polnische Museum eröffnete und diesen Schatz der Weltkultur seit 1809 der Öffentlichkeit zeigte. Leonardos Kunstwerk wurde nun zu einem Jagdobjekt von Polens Nachbarn, und als Kriegsbeute wechselte es ständig den Besitzer. Zuerst hatte es der russische Nachbar nach Niederschlagung des polnischen Aufstandes 1830 in Augenschein genommen. Doch die Fürstin Czaroryska schützte es vor der Erbeutung, indem sie diesen Weltkulturschatz in Frankreich versteckte.

1876 kehrte die "Dame mit dem Hermelin" wieder nach Polen zurück und fand im Krakauer Czartoryski-Museum einen würdigen Platz. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges nahmen es die Deutschen 1914 nach Dresden und zeigten es in der Gemäldegalerie. Doch 1920 konnte " Die Dame mit dem Hermelin" zu ihren rechtmäßigen Besitzern in Krakau wieder zurückkehren. Im Zweiten Weltkrieg jagten die deutschen Nazigrößen diesem Bilde hinterher.

Verantwortungsbewusste Polen hatten 1939 das Gemälde in Sieniawa, dem Familienbesitz der Czartoryskis, eingemauert. Nazikundschafter fanden es aber, und so landete das Gemälde erneut als Kriegsbeute in Berlin im Kaiser Wilhelm-Museum. (. . .) Doch der Generalgouverneur im besetzten Polen, Hans Frank, holte die " Dame mit dem Hermelin" wieder nach Krakau und präsentierte sie in seinem Arbeitszimmer im Krakauer Schloss. Schließlich nahm er das Gemälde 1944 nach Bayern mit, um es angeblich vor der Vernichtung durch die Russen zu retten. Die Amerikaner fanden das Gemälde in Franks Villa und übergaben es den polnischen Eigentümern (. . .) .

Die Fürstin Czartoryska wählte übrigens für ihr gegründetes Museum den Leitspruch "Die Vergangenheit der Zukunft". Jeder sollte also beim Betrachten der Vergangenheit etwas für die Zukunft lernen.

Beim Lesen der Natoberichte in der LR muss ich feststellen, dass diejenigen Akteure, die den Einmarsch amerikanischer Panzer nach Polen lenken, nichts aus der Vergangenheit gelernt haben. Schade, sehr schade!

Ich bin überzeugt, die kunstsinnige großartige Fürstin Izabela Czartoryska hätte für diese militärischen Aktionen kein Verständnis und wir, die wir noch mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges beschäftigt sind, haben auch kein Verständnis für dieses Säbelrasseln der Natostrategen.

BER-Desaster beschädigtauch Brandts Ruf

Niels Ullmann aus Lübbenau schreibt zu "Neue Probleme rücken Fertigstellung des BER-Flug- hafens in weite Ferne" (LR vom 18. Januar):

Die Pleiten/Pech- und Pannenserie an diesem völlig verkorksten Großprojekt reißt nicht ab, so dass die Frage im Raum steht, wie lange die Familie Brandt/Seebacher noch an ihrer Zusage zur Namensnutzung "Willy Brandt" für diese weltweit belachte Bau peinlichkeit festhält! Der untadelige Ruf eines bedeutenden Staatsmannes kann doch nicht länger für diesen Non-Stop-Nonsens-Satire-Baupfusch missbraucht werden. Man könnte ja als Bürger auch herzhaft mitlachen, wenn wir nicht alle mit täglich einer Million Euro an Unterhaltungskosten unfreiwillig in Mithaftung genommen würden. Aktuelle Voraussage: In dieser Dekade startet dort kein Urlaubsflieger! P.S.: So wie bei den NSU- und Amri-Morden ist auch hier selbstverständlich kein Politiker für irgendetwas verantwortlich!

Es geht den USA um ihre Vormachtstellung

G. Meinert schreibt zu "US-Panzer rollen Richtung Lausitz" (LR vom 7. Januar):

Es erschreckt mich, wie leichtfertig sich Herr Haustein-Tessmer zu diesem brisanten Thema äußert. (. . .) "Der Nato blieb nichts anderes übrig. . .", mit einer ähnlichen Argumentation sind schon Kriege ausgelöst worden. Die Bedrohung durch Russland ist eine Scheinargumentation. Es gab noch nie so viele Nato- und US-Stützpunkte in Grenznähe zu Russland wie gegenwärtig. Die LR könnte ja mal eine Karte mit allen Stützpunkten veröffentlichen. Wenn man die Krim als Argument anführt, dann sollte man aber auch so ehrlich sein und die Rolle der USA und Europas bei der Ukrainekrise verdeutlichen. Die USA hätten nicht anders gehandelt, wenn einer ihrer Flottenstützpunkte gefährdet gewesen wäre. Es geht hier einzig um die Vormachtstellung der USA. Dabei übersehen die Medien und die Politik, dass im Falle militärischer Konflikte vor allem Europa betroffen wäre, nicht die USA. Sie halten alle Konfliktfelder von ihren Grenzen fern und maßen sich an, in anderen Staaten völkerrechtswidrig militärisch einzugreifen - siehe Irak. (. . .)