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| 17:01 Uhr

Lesermeinung
Verständigung und Versöhnung

Deutsch-russische Beziehungen

Frankreich und Deutschland, die sich in ihrer Geschichte gegenseitig

viel Leid zugefügt haben, ist dank des Elysee-Vertrages die Versöhnung gelungen. Warum sollte die deutsch-russische Versöhnung nicht ebenso möglich sein? Kriegsschauplätze und Krisenherde gibt es zur Zeit genug, auch im „aufgeklärten“ Europa. Die Gedenkfeier in Wolgograd an die Schlacht von Stalingrad vor 75 Jahren böte die Gelegenheit für Deutsche und Russen, sich die Hand zu reichen und Frieden miteinander vertraglich zu besiegeln. Damals vor 75 Jahren im Kessel von Stalingrad, Tausende Kilometer von Deutschland entfernt, wird sich mancher deutsche Soldat die Frage nach dem Sinn dieses gegenseitigen Mordens gestellt haben. Zu spät leider! Und dennoch haben das antikommunistisch-antisowjetische Feinbild, das Russlandklischee von damals und aus der Zeit des Kalten Krieges immer noch oder schon wieder Konjunktur, sorgen für denkbar schlechte deutsch-russische Beziehungen.

Diejenigen, die anders denken und handeln, einen anderen Umgang mit Russland einfordern, gelten als „Putinsoldaten“. Vergessen sind wohl die Hungertoten der Blockade von Leningrad, die 50 Millionen im Kriegverschlissenen Menschenleben, ein zerbombtes Deutschland... und der Schwur „Nie wieder Krieg!“? Aus Nato-Sicht hat Russland Sicherheitsbedürfnisse nicht zu haben und den Nato-Aufmarsch an seiner Westgrenze einfach hinzunehmen. Mit der regelmäßigen Verlängerung derEU-Russlandsanktionen will man uns weismachen, dass Moskau allein für den Ukraine-Konflikt verantwortlich und folglich für dessen Lösung zuständig sei. Dass die Regierenden in Kiew Minsk II zwar unterschrieben, aber mit keiner Geste und Silbe zu dessen Umsetzung bereit sind, will man in Berlin und Brüssel nicht wahrhaben. Noch ist es nicht zu spät, in gegenseitiger Achtung aufeinander zuzugehen und die bevorstehenden Gedenkfeierlichkeiten in Wolgograd anlässlich des Sieges der Roten Armee vor 75 Jahren für Dialog und Versöhnung mit der russischen Seite zu nutzen.

Gesina Braun

Spremberg