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| 20:06 Uhr

Lesermeinung
Urwald-Idee fördert den Waldkollaps

Zu Bränden und Borkenkäfer Von Wolfgang Berg

Der deutsche Wald leidet unter Dürre, Schädlingen und Stürmen, ist in der RUNDSCHAU zu lesen. Ich würde noch die vielen Waldbrände hinzuzählen, worunter der Wald besonders in Brandenburg massiv leidet. Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte in diesem Zusammenhang eine Urwald-Offensive für fünf Prozent der Waldfläche, so dass „Natur wieder Natur sein kann, ohne menschliche Eingriffe“.

Was das bedeuten würde, und zum Teil schon heute bedeutet, erklärte Dr. Hans-Joachim Mader als Ratsvorsitzender der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg 2010 auf der Wildniskonferenz in Potsdam. Man müsse lernen, die Natur zu akzeptieren, sagte er. „Dazu kann auch ein kleinerer Brand oder der Borkenkäfer gehören.“ Zwei Prozent der Waldfläche – etwa zweieinhalbmal so groß wie das Saarland – seien bis 2020 als Wildnisflächen (Urwald) vorgesehen. 2010 waren es noch 0,5 Prozent, darunter auch die munitionsbelastete Stiftungsfläche in der Lieberoser Heide, deren Kernzone – die ehemalige Schießbahn – von einer Puffer- und Übergangszone umgeben ist. Laut Nationaler Biodiversitätsstrategie (Strategie zur biologischen Vielfalt) ist die Pufferzone, wenn möglich durch Renaturierungsmaßnahmen, innerhalb von zehn Jahren in die Kernzone zu überführen. Welche Renaturierungsmaßnahmen sind gemeint? Wie kann dieses Ziel ohne Eingriff des Menschen in so kurzer Zeit realisiert werden?

Wer im dicht besiedelten Deutschland Waldflächen durch Feuer oder Waldschädlinge offen halten will und somit die Basis für einen sich selbst entwickelnden Urwald schaffen möchte, handelt unverantwortlich. Solche Maßnahmen verstärken eher den Waldkollaps.